Verlagsgruppe Handelsblatt Einschneidende Maßnahmen

Der Medienkonzern baut 175 Stellen ab und löst seine Online-Redaktionen auf.

Düsseldorf - Die Sparmaßnahmen der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) fallen deutlich stärker aus als von den meisten Fachleuten befürchtet. Einen Tag nach der beschlossenen Einstellung des Magazins "Die Telebörse" hat der Medienkonzern nun den Abbau von 175 Stellen angekündigt.

Dabei handelt es sich überwiegend um betriebsbedingte Kündigungen, teilte die zum Holtzbrinck-Konzern gehörende Gruppe am Dienstag in Düsseldorf mit. Nach Angaben der Geschäftsführung sind von den Kündigungen vor allem Mitarbeiter im Verlagsbereich betroffen.

Fehlbetrag von 6,3 Millionen Euro in 2001

Die Verlagsgruppe Handelsblatt hatte im vergangenen Jahr wegen drastisch gesunkener Anzeigenerlöse erstmals rote Zahlen geschrieben und bereits 170 Stellen abgebaut. Das Unternehmen erwirtschaftete 2001 einen Fehlbetrag von 6,3 Millionen Euro.

Eine der nun beschlossenen Maßnahmen: Die Online-Tochter Economy.One AG wird künftig ohne eigene Zentralredaktion arbeiten. Sie soll sich künftig ausschließlich auf Technik, Vermarktung und Contentaggregation konzentrieren.

Die Inhalte für die jeweiligen Online-Portale der Handelsblatt-Marken sollen künftig von den Print-Redaktionen geliefert werden. Die Belegschaft bei Economy.One werde deshalb unter Einbeziehung eines Sozialplans von 74 auf 31 Mitarbeitern reduziert. Einschließlich des Personalabbaus als Folge der Einstellung der "Telebörse" beziffert die Verlagsgruppe die jetzt geplante Zahl der betriebsbedingten Kündigungen auf 175.

Insgesamt kommt es dabei auf Verlagsseite zu einem Abbau von 50 Stellen. In der "Handelsblatt"-Redaktion werde vorwiegend im technischen Bereich Personal abgebaut. Zugleich kündigte die Verlagsgruppe eine Stärkung der Magazine "WirtschaftsWoche" und "DMEuro" an.

Mit den Maßnahmen will die Verlagsgruppe Handelsblatt die Kostenstrukturen der Marktsituation anpassen. Das Kostensenkungsprogramm des vergangenen Jahres reiche angesichts der sich ständig verschärfenden Situation trotz eines erheblich reduzierten Kostenniveaus nicht mehr aus, heißt es in der Mitteilung weiter.

Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden der Geschäftsführung, Michael Grabner, lagen die Brutto-Werbeeinnahmen der wichtigsten Mediengattungen in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um sieben Prozent unter denen des Vorjahres. Erst für 2003 ist laut Grabner mit einer Trendwende im Werbemarkt zu rechnen.

"Wirtschaftswoche" mit "Telebörse"-Elementen

Die "Wirtschaftswoche" soll durch jeweils acht zusätzliche redaktionelle Seiten im Unternehmens- und Finanzteil gestärkt werden. Im Geldteil übernehme sie Teile der "Telebörse", darunter den Wallstreet-Kommentar von Markus Koch. Im Unternehmensteil erweitere das Magazin sich in Richtung Luxusgüterindustrie und Mittelstand.

"Telebörse"-Chefredakteur Roland Tichy soll die Leitung von "DMEuro" übernehmen. Sein Vorgänger Hermann Kutzer werde als Kapitalmarkt-Kommentator für den Fernsehsender n-tv tätig, bleibe aber im Range eines Chefredakteurs für die Verlagsgruppe Handelsblatt aktiv.

Inhaltlich werde das Magazin "DMEuro" seine Unternehmensberichterstattung ausbauen. Zusätzlich werde der Redaktionssitz von Düsseldorf nach Frankfurt verlegt.

"Handelsblatt" stellt zwei Beilagen ein

Beim "Handelsblatt" werden laut Mitteilung zwei Beilagen in andere Zeitungsteile integriert. Die Beilage "Netzwert" erscheine künftig im Buch "Unternehmen und Märkte", die Beilage "Investor" im Buch "Anlegerzeitung".

Der Holtzbrinck-Konzern hatte sich erst kürzlich von Geschäftsführer Heinz-Werner Nienstedt getrennt. In seinem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter schrieb Nienstedt bereits von "kostensparenden und intensiven Maßnahmen", über die es zwischem ihm und der Holtzbrinck-Führung Meinungsverschiedenheiten gegeben habe.

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