Vivendi Universal 5,8 Milliarden Euro an einem Tag vernichtet

Nach der Ankündigung, die Anteile an der Versorgersparte zu verkaufen, stürzt die Vivendi-Aktie ab. Analysten fürchten um die Zahlungsfähigkeit des Misch- und Medienkonzerns.

Paris – Eigentlich sollte es ein positives Signal für die Börse sein: Am Montag verkündete das weltweit zweitgrößte Medienunternehmen Vivendi Universal  den Verkauf der Versorgertochter Vivendi Environnement (VE). Konzernchef Jean-Marie Messier will mit der Veräußerung seine Absicht unterstreichen, die gigantischen Schulden in Höhe von 30 Milliarden Euro abzubauen.

So lautete der Plan. Doch die Börsianer interpretierten die Signale anders. Statt den eingeschlagenen Sanierungskurs gutzuheißen, stießen sie ihre Vivendi-Aktien ab. Das Papier setzte zu einem grandiosen Sturzflug an und brach mit 23,31 Prozent ein. Innerhalb eines Tages verlor der Börsenwert 5,8 Milliarden Euro. Vivendi Universal hat damit seit Jahresanfang 69,5 Prozent eingebüßt.

Der übereilte Verkauf hat die Händler verschreckt. Vergangene Woche hatte Vivendi Universal erklärt, das Geschäft werde über die Deutsche Bank abgewickelt, sobald die Marktbedingungen es zuließen. 1,7 Milliarden Euro sollten so in die leeren Konzernkassen gespült werden. Derzeit allerdings sind die Marktbedingungen alles andere als gut. "Sie verkaufen ihre Beteiligung im schlimmsten Augenblick", hieß es aus Analystenkreisen.

Gerüchte über ernste Zahlungsschwierigkeiten

Durch die zügige Transaktion scheinen sich Gerüchte zu bestätigen, wonach Vivendi in ernsten Zahlungsschwierigkeiten steckt. "Wenn sie unter den aktuellen Bedingungen verkaufen, haben sie das Geld wirklich nötig. Die Geschwindigkeit der Transaktion bestätigt die Befürchtungen an den Märkten", sagte ein Branchenkenner gegenüber Bloomberg.com.

Ernsthafte Probleme hat jetzt auf jeden Fall Jean-Marie Messier. Der Konzernchef steht seit langem unter dem Druck von Investoren, den Anteil an dem Versorgungsunternehmen zu reduzieren. Dies würde, so die Hoffnung der Investoren, neben einem teilweisen Schuldenabbau auch eine bessere Bewertung von Vivendi Universal als Medien- und Unterhaltungskonzern ermöglichen. Die aktuelle Entwicklung jedoch zeigt, dass die Märkte diesen Weg offenbar nicht mitgehen wollen.

Nicht nur der missglückte Verkauf der VE-Anteile drückt die Stimmung. Belastend wirken auch Verzögerungen beim Verkauf der italienischen Vivendi-Pay-TV-Tochter Telepiu an News Corp. , dem Konzern des Medienmoguls Rupert Murdoch. Nach einem Bericht der "Financial Times" steht der Deal, der Vivendi 1,5 Milliarden Euro eingebracht hätte, auf der Kippe. Murdoch kann demnach keine Partner finden, die ihm bei der Finanzierung helfen.

Nach Expertenmeinung ist die Verzögerung kalkuliert. "Mit der Ausstiegsdrohung will News Corp. den Preis drücken", hieß es aus Branchenkreisen. Murdoch hatte im vergangenen Monat dem Kauf von Telepiu zugestimmt. Jetzt will er binnen der nächsten zwei Wochen entscheiden, ob er den defizitären Pay-TV-Kanal von Vivendi übernimmt. Aus News-Corp.-Kreisen hieß es, dass die Verhandlungen mit anderen potenziellen Investoren wie der Telecom Italia weiter laufen würden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.