Viva Weltweite Expansionsgelüste

Senderchef Dieter Gorny sieht sich schon an der Spitze eines global agierenden TV-Senders. Mit AOL Time Warner im Rücken kann er sich auch einen Start in den USA vorstellen.

Köln - Jetzt, wo Viva den starken Partner AOL Time Warner im Rücken hat, denkt Gorny in globalen Kategorien. Hat er die Marke Viva bisher nur ins europäische Ausland exportiert, schließt er nun eine künftige Expansion in Asien und auch in den USA nicht aus. "Natürlich sind wir mit dem Partner AOL Time Warner in der Lage, eine Expansionsstrategie über Kontinentaleuropa hinaus zu realisieren", sagte Gorny. Am Freitag hatte AOL den monatelangen Übernahmekampf mit der MTV-Mutter Viacom für sich entschieden.

"Dies zeigt auch den Wert der AOL-Entscheidung, der weit über die Stabilisierung der Aktionärsstruktur hinaus geht", sagte Gorny. "Klar ist, dass der Kölner Standort gesichert ist - klar ist auch, dass der internationale Ausbau forciert wird". Beides könne dazu führen, dass es zu einem Arbeitsplatzzuwachs in der Domstadt, aber auch weltweit komme.

Viva in US-Händen

Am Freitag wurde bekannt, dass AOL Time Warner den 15,3-prozentigen Viva-Anteil von der EMI-Gruppe übernimmt. Da AOL bereits zuvor 15,3 Prozent an Viva hielt, ist damit den Übernahmegelüsten Viacoms ein Riegel vorgeschoben. AOL Time Warner strebt nach Medienberichten außerdem an, die Viva-Beteiligung von Vivendi Universal zu kaufen. AOL würde dann 45,9 Prozent halten und plant offenbar, seine Beteiligung auf mindestens 50 Prozent auszubauen.

"Unsere Investitionskriterien und strategischen Ziele konnten nicht erfüllt werden", sagte dagegen der in London ansässige MTV-Europachef Brent Hansen. Nach seinen Angaben hätte MTV alles daran gesetzt, die Marke Viva langfristig zu erhalten und beide Musiksender parallel weiter zu entwickeln.

Umwälzungen in der deutschen Medienlandschaft

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hat AOL Time Warner bereits Gespräche mit dem Bundeskartellamt geführt. Außerdem wolle der US- Konzern seine TV-Geschäfte in Deutschland ausbauen und sei auch am Erwerb der insolventen KirchMedia interessiert. Viva-Vorstandschef Gorny hatte zuvor bereits darüber spekuliert, beide Konzerne könnten ein über Viva hinaus gehendes Interesse am deutschen Fernsehmarkt haben. Er nannte in diesem Zusammenhang die Umwälzungen in der Medienlandschaft bedingt durch die Kirch-Krise.

Der Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in NRW, Norbert Schneider, sagte im Zusammenhang mit den Entwicklungen: "Wir erwarten eine Anzeige über die neue Gesellschafterstruktur und prüfen, ob dies auch durch die alte Lizenz gedeckt ist." Er würde eine solche Anzeige als eine wichtige Entwicklung für Viva bewerten. Der Sender würde damit "vom local hero zum global player" aufsteigen.

Viva erzielte mit rund 700 Beschäftigten im ersten Quartal 2002 - unter anderem nach dem Verkauf einer Beteiligung an AOL Time Warner - einen Gewinn von knapp 18,1 Millionen Euro und kehrte damit in die schwarzen Zahlen zurück. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz von Viva auf knapp 60,1 Millionen Euro (Vorjahr fast 55,1 Millionen Euro). Für 2001 wies die Bilanz einen Jahresfehlbetrag von knapp 9,7 Millionen Euro aus.