"Die Telebörse" Verlag zieht die Notbremse

Das Magazin der Verlagsgruppe Handelsblatt wird nach nur zweieinhalb Jahren eingestellt. Was aus den rund 70 Mitarbeitern wird, ist noch offen.

Hamburg - Nach "Die Woche", "Net-Business", "e-Business", "Digital Investor", "Net Investor", "Webtrade" und diversen anderen Blättern trifft es nun auch "Die Telebörse". Das verlustreiche Magazin ist gescheitert und wird eingestellt. Die diesen Donnerstag erscheinende Ausgabe 27/02 wird die letzte sein.

Andreas Knaut, Sprecher der Verlagsgruppe Handelsblatt, begründete die Einstellung mit dem "sich stetig verschlechternden und rückläufigen Werbevolumen in der für 'Die Telebörse' entscheidenden Finanz- und Anlegerbranche".

Diese Entwicklung habe sich in diesem Jahr noch einmal spürbar beschleunigt. Knaut: "Allein die Brutto-Werbeaufwendungen für Finanzanlagen haben in 2002 bis Ende Mai um 53,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum abgenommen, diejenigen für Versicherungen um 32,8 Prozent."

Was wird aus den Redakteuren?

Nun sollen Elemente der Zeitschrift und möglicherweise einige Redakteure vom Düsseldorfer Schwesterblatt "Wirtschaftswoche" übernommen werden. Das berichtet DER SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Beide Blätter gehören zur angeschlagenen Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB), die mit diesem Schritt ihre derzeit hohen Verluste (2001: 6,3 Millionen Euro) reduzieren will.

Von der Maßnahme sind rund 70 Redakteure und Verlagsmitarbeiter betroffen. Der Verlag will nun "in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat einen fairen Sozialplan erarbeiten".

"Die neue deutsche Money-Class" als Zielgruppe

Nach Angaben des SPIEGEL ist geplant, mit Teilen der "Telebörse"-Redaktion den Geldteil der "Wirtschaftswoche" zu verstärken; außerdem möchten die Düsseldorfer so das Anzeigen- und Abonnentengeschäft des Anlegerblatts zumindest teilweise retten.

"Die Telebörse" war auf der Höhe des Börsenbooms im Januar 1999 unter dem dem Arbeitstitel "New York" gegründet worden und erschien erstmals im Januar 2000. Als Zielgruppe hatte man nach Verlags-Angaben die neue deutsche "Money-Class" anvisiert, laut Chefredakteur Tichy "nicht unbedingt Leute mit hohem Einkommen, sondern solche, die aus unterschiedlichsten Quellen - zum Beispiel Erbschaften - Geld zur Verfügung haben und mehr daraus machen wollen".

Das Blatt konnte zunächst vom hohen Bekanntheitsgrad der gleichnamigen Fernsehsendung auf "n-tv" profitieren; allerdings war bereits früh aus Mitarbeiterkreisen zu hören, dass es mit der Erzielung sogenannter "Synergie-Effekte" zwischen TV- und Print-Objekt haperte. Beide Redaktionen arbeiteten offenbar nicht eng genug zusammen, um wirklich voneinander profitieren zu können.

Der Kampf gegen die roten Zahlen

Das Magazin, das in seinen besten Zeiten Heftauflagen bis zu 170.000 Stück meldete, konnte seit der Gründung nie die Gewinnschwelle erreichen. Aktuell wird in den Mediadaten eine durchschnittlich verbreitete Auflage von 120.000 Exemplaren pro Woche genannt.

Zuletzt produzierte "Die Telebörse" wegen der Anzeigenflaute deutlich steigende Verluste. Für den "Telebörse"-Chefredakteur Roland Tichy sucht der neue Handelsblatt-Geschäftsführer Michael Grabner verlagsintern neue Aufgaben.

Angeblich soll Tichy neuer Chefredakteur von "DMEuro" werden. Der 46-jährige gilt als erfahrener Redaktionsmanager. Er arbeitete unter anderem als stellvertretender Chefredakteur bei "Capital" und war Chefredakteur bei "Impulse". Die "Telebörse" stampfte Tichy in der rekordverdächtigen Entwicklungszeit von knapp vier Monaten aus dem Boden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat die Geschäftsführung der VHB neben der Magazin-Schließung außerdem beschlossen, die operative Tätigkeit des Tochter-Unternehmens Economy.One zu beenden. In dieser sind die Online-Auftritte der VHB gebündelt. Die Internet-Seiten des "Handelsblatt" oder der "Wirtschaftswoche" sollen jetzt wieder direkt den Print-Redaktionen zugeordnet werden.

Reuters schreibt von insgesamt 190 Stellen, die abgebaut werden sollen. Von VHB-Seite heißt es dazu lediglich, dass es "einschneidende Sparmaßnahmen" geben wird, die in der kommenden Woche kommuniziert werden sollen. Anreas Knaut, Sprecher der Verlagsgruppe Handelsblatt, wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. Allerdings bestätigte er, dass das Verlagshaus über Sparmaßnahmen schon seit einiger Zeit nachdenke.

Der Holtzbrinck-Konzern, zu dem die VHB gehört, hatte sich erst kürzlich von Geschäftsführer Heinz-Werner Nienstedt getrennt. In seinem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter schrieb Nienstedt bereits von "kostensparenden und intensiven Maßnahmen", über die es zwischem ihm und der Holtzbrinck-Führung Meinungsverschiedenheiten gegeben habe.

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