Infineon EU vs. Korea

Der Münchener Chipproduzent beschwert sich bei der EU-Kommission. Die koreanischen Konkurrenten Hynix und Samsung sollen massiv von der staatlichen Subventionspolitik profitieren.

Hamburg – Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche beschäftigt sich ein politisches Gremium mit dem krisengeschüttelten Halbleitermarkt. Seit Mittwoch hat die US-Kartellbehörde die Branche im Visier. Nun ist die Chipindustrie auch Thema bei der Europäischen Kommission.

Der Münchener Halbleiterproduzent Infineon  hat demnach in Brüssel Beschwerde gegen die südkoreanischen Konkurrenten Hynix  und Samsung  eingelegt. Die Unternehmen würden in unzulässiger Weise von der staatlichen Subventionspraxis profitieren.

Ein Infineon-Sprecher bestätigte gegenüber manager-magazin.de die Eingabe bei der EU. Besonders die staatlichen Unterstützungen für den angeschlagenen Chiphersteller Hynix würden demnach den Wettbewerb massiv verzerren.

Die gesamte Halbleiterbranche steckt in der Krise. 2001 war das bislang schlechteste Jahr für die Unternehmen. Hynix war im Rahmen der Krise zum heißen Übernahmekandidaten avanciert. Zuletzt hatte sich der US-Konkurrent Micron  um die Nummer drei der Branche bemüht. Nachdem der Deal platzte, stand der Konzern vor der Aufspaltung. Seitdem bemühen sich koreanische Politiker um den Erhalt von Hynix.

Strafzölle drohen

Hynix und Samsung teilten mit, dass sie bisher noch keine Anfrage seitens der EU erhalten hätten. Die zuständige Kommission für Außenhandel wollte irgendwelche Aktivitäten weder bestätigen noch dementieren. Nach den Regeln der Welthandelsorganisation ist es dem Gremium allerdings auch nicht gestattet Auskünfte, über Verfahren zu erteilen, so lange die Voruntersuchungen nicht abgeschlossen sind.

Gegenüber manager-magazin.de sagte ein Kommissionsmitarbeiter, dass im Falle einer nachgewiesenen Wettbewerbsverzerrung EU-weit Strafzölle verhängt werden könnten. Diese könnten für einzelne Produkte oder Unternehmen gelten.

US-Wettbewerbshüter wittern Preisabsprachen

Mitte der Woche hieß es bereits, dass die amerikanische Kartellbehörde die größten Halbleiterhersteller verhören will. Die US-Wettbewerbshüter wittern Absprachen am Markt für DRAM-Chips. Im Visier haben sie neben Micron, Hynix und Samsung auch die Münchener Infineon AG.

Wahlkampfmanöver: Politische Initiative für Hynix Chip-Produzenten: Gibt es ein Chip-Kartell?

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