Halbleiterproduzenten Gibt es ein Chipkartell?

Die amerikanische Kartellbehörde will die größten Halbleiterhersteller verhören. Die US-Wettbewerbshüter wittern Absprachen am Markt für DRAM-Chips. Im Visier haben sie neben Micron, Hynix und Samsung auch die Münchener Infineon AG.

Hamburg - Das US-Kartellamt Antitrust Division hat die Chipindustrie im Visier. Mehrere Hersteller von DRAM-Bausteinen wurden von der Behörde angeschrieben und um Mithilfe bei einer anstehenden Untersuchung gebeten. Es geht um mögliche wettbewerbswidrige Praktiken am Markt für Hauptspeicher.

Am Dienstagabend bestätige der US-Konzern Micron  die Anfrage seitens der Kartellbehörde. Demnach habe der weltweit zweitgrößte Hersteller von DRAM-Chips eine gerichtliche Vorladung erhalten. Auch der größte DRAM-Produzent, das koreanische Unternehmen Samsung Electronics , wurde kontaktiert. Betroffen sei die US-Tochter Samsung Semiconductor, teilte Samsung am Mittwoch mit. Die Vorladung sei die gleiche, die schon zuvor Micron erhalten habe.

Hynix ,die Nummer drei der Branche, erhielt ebenfalls eine Anfrage von der US-Kartellbehörde. Samsung, Micron und Hynix kontrollieren zusammen mehr als 60 Prozent des globalen DRAM-Marktes.

Infineon wurde auch angeschrieben

Auch der Münchener Chiphersteller Infineon  wurde angeschrieben. Unternehmenssprecher Ralph Heinrich bestätigte gegenüber manager-magazin.de die Anfrage durch die Antitrust Division. "Bis jetzt ist es noch unklar, ob es einen konkreten Vorwurf gegen Infineon gibt oder ob wir lediglich Informationen zur Verfügung stellen sollen. In jedem Fall werden wir kooperieren", erklärte Heinrich weiter.

Kooperationsbereit geben sich auch die anderen DRAM-Hersteller. Micron und Hynix kündigten an, vorbehaltlos mit der Kartellbehörde zusammenzuarbeiten. Außerdem beteuern die Unternehmen ihre Unschuld. Weder Micron noch Hynix hätten gegen die US-Kartellgesetze verstoßen. Samsung Electronics betonte ebenfalls, dass es keinerlei unerlaubte Absprachen gegeben habe. Samsung geht außerdem nicht davon aus, dass die Untersuchungen das Geschäft ernsthaft beeinträchtigen werden.

Absprachen zu Ungunsten kleinerer Anbieter?

Nach einem Bericht des Branchendienstes Bloomberg hat der massive Preisverfall für DRAM-Chips von etwa vier Dollar Anfang März auf zwei Dollar Anfang Mai einige Investoren alarmiert. Der Preissturz, so der Vorwurf, könnte in einer konzertierten Aktion von den Branchenführern initiiert worden sein, um kleinere Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Die US-Regierung müsste den Chipherstellern Preisabsprachen oder Absprachen beim Produktionsoutput nachweisen, um eine Verletzung des Kartellrechtes geltend zu machen.

Die Vorwürfe kommen für die Branche zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. "Am DRAM-Markt herrscht ein scharfer Wettbewerb. Der Bereich ist extrem volatil. Die Konkurrenz hat dazu geführt, dass die Preise nie da gewesene Tiefststände erreichen." Nach dem Tiefpunkt zum Jahreswechsel 2001/2002 zogen die Preise im ersten Quartal zwar wieder leicht an. Dennoch mussten die Hersteller zuletzt erneute Einbrüche verbuchen.

Nach Bloomberg-Angaben fielen die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen nach Bekannt werden der Untersuchung seitens der US-Kartellbehörde. Samsung verlor demnach 4,3 Prozent; der Hynix-Kurs brach zwischenzeitlich um 8,6 Prozent ein. Infineon büßte 4,8 Prozent ein und Micron war mit einem Minus von 15 Prozent der Spitzenreiter.

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