"FAZ" Experiment Berlin gescheitert

Die allgemeine Anzeigenflaute führt offenbar weiter zu Sparmaßnahmen. Nun stellt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ihre prestigeträchtigen "Berliner Seiten" ein. Darüber hinaus soll ein erheblicher Teil der Stellen abgebaut werden.

Berlin - Die im Jahr 1999 eingeführten "Berliner Seiten" der "FAZ" sollen schon zum Monatsende eingestellt werden. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Redaktions-Kreisen. Zusätzlich seien in der nächsten Zeit betriebsbedingte Kündigungen "im unteren dreistelligen Bereich" geplant, bestätigte der Sprecher der Herausgeber, Dieter Eckart, der Nachrichtenagentur AP.

Der Berlin-Teil galt bislang als Vorzeigeprojekt des Mitherausgebers Frank Schirrmacher und diente als Experimentierfeld für das altehrwürdige Feuilleton des Blattes. Zuletzt war der Umfang bereits von sechs auf vier Seiten zusammengestrichen worden.

Insgesamt sollen zehn Prozent aller 700 Stellen bei Verlag und Redaktion eingespart werden, kündigte Geschäftsführer nun Jochen Becker an. Gleichzeitig soll der Seitenumfang der Zeitung auf den Stand von 1999 zurückgeführt werden.

Becker hatte bereits im April im Branchendienst "Der Kontakter" herbe Einschnitte angekündigt. Betroffen waren davon bislang die zwölf Mitarbeiter der englischsprachigen Ausgabe " FAZ English Edition" betroffen. Das Objekt, das im Auftrag von "International Herald Tribune" produziert wurde, wurde eingestellt.

Darüber hinaus stellte der FAZ-Verlag die "FAZ"-Hochglanzbeilage "Bilder und Zeiten" sowie das Frankfurter Anzeigenblättchen "Sunny" ein.

Im vergangenen Jahr hatte die "FAZ" einen Verlust von 27 Millionen Euro gemeldet. Im ersten Quartal 2002 hat sich die Lage durch den Einbruch auf dem Anzeigenmarkt weiter verschärft.