Kabelbetreiber Wer bleibt übrig?

Eine Schuldenlawine erschüttert die Kabelbranche. KPNQwest, UPC, Telewest oder NTL – die Kabelbetreiber ächzen unter den Folgen der teuren Expansionspläne.

Hamburg - Die Schulden der Kabelunternehmen betragen etliche Milliarden Euro. Die Kabelbetreiber kämpfen europaweit ums Überleben. Wie ist der Weg aus der Schuldenfalle zu schaffen, wenn die Geldgeber die Mittel streichen? Ähnlich der Telekombranche stehen die Kabelanbieter vor einer Konsolidierungswelle. Rettung suchen sie in der Umwandlung der Schulden in Anleihen, bei neuen Investoren oder der Veräußerung von Firmenteilen.

Kabelgau in Europa?

Zum Verkauf steht beispielsweise der niederländische Kabelbetreiber KPNQwest – ein Joint Venture der amerikanischen Qwest und des niederländischen Telekomkonzerns KPN. Immer wieder wird über eine sofortige Abschaltung des Kabelnetzes spekuliert, über die möglichen Folgen herrscht Unklarheit, denn KPNQwest betreibt rund ein Drittel des europäischen Glasfasernetzes. Das Unternehmen selbst sichert hingegen den Weiterbetrieb des Netzes noch für einige Wochen zu.

Dennoch - wie es für KPNQwest weitergeht, ist noch nicht entschieden. Nach dem Insolvenzantrag wird über einen Fortbestand und Teilverkäufe geredet. Unter den Interessenten sollen sich die Deutsche Telekom, AT&T, Telefonica , Belgacom, Tiscali, KPN sowie Cable&Wireless befinden.

Qwest entlässt Chef

Auf die Hilfe aus den USA kann KPNQwest mittlerweile nicht mehr hoffen. Qwest, eine der beiden Muttergesellschaften der Niederländer, hat bereits vor Wochen angekündigt, für das europäische Unternehmen den Geldhahn zuzudrehen. Untermauert wurde diese Erkenntnis mit der Meldung vom Montag dieser Woche, dass das Unternehmen angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit seinen langjährigen Firmenchef Joseph Nacchio entlassen hat. Qwest ist mittlerweile mit 26 Milliarden Dollar verschuldet.

Auch bei der zweiten KPNQwest-Mutter, dem Telekomkonzern KPN, ist der Geldfluss ins Stocken geraten. Zwar schießt das niederländische Unternehmen weitere Finanzen nach – so die Aussage des KPNQwest-Deutschland-Sprechers Thilo Huys. Doch die milliardenhohe Verschuldung von KPN (15,4 Milliarden Euro) begrenzt auch hier die Mittel.

UPC überschuldet

Neben KPNQwest steckt auch der niederländische Kabelbetreiber United Pan-Europe (UPC) in der Krise. Das Unternehmen steht mit acht Millionen Euro Schulden da. Das Jahr 2001 schloss der Kabelbetreiber mit einem Umsatz in Höhe von 1,4 Milliarden Euro und einem Verlust von 4,4 Milliarden Euro ab. Hier zu Lande ist das Unternehmen in mehreren Städten wie Berlin und Leipzig sowie in den Bundesländern Bayern, Sachsen, Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen über die Unternehmen Primacom, EWT und TSS aktiv.

UPC verhandelt bereits seit Anfang März mit seinen Gläubigern über eine Umwandlung der Kreditschulden in Anleihen. Ob die Gläubiger darauf eingehen werden, ist fraglich. Etwas Luft hat sich UPC zumindest schon verschafft. Bis Anfang Juli muss es keine Zinsen für die Schulden zahlen.

Anfang dieser Woche haben die Banken und der Mutterkonzern United Global Com noch einmal die Frist um zwei Wochen verlängert, in der der Kabelspezialist einen neuen Investor finden kann. Ob UPC fündig wird, ist offen. Nach eigenen Angaben zählt der Konzern europaweit 8,4 Millionen Kunden.

Malone blitzt bei Telewest ab

Um die Zukunft geht es auch bei der britischen Telewest. Der zweitgrößte Kabelbetreiber Großbritanniens hat einen Schuldenberg von 5,3 Milliarden Pfund angehäuft. Anfang der Woche blockten die Gläubiger eine Offerte von US-Kabelkönig John Malone ab, der angeboten hatte, seinen derzeit schon bei 25 Prozent liegenden Anteil an Telewest aufzustocken. Für mehr als vier Milliarden Pfund wollte er Anleihen kaufen.

Die Gläubiger von Telewest scheinen aber vermutlich einen anderen Weg aus der Krise zu suchen. Wahrscheinlich streben sie eine Lösung à la NTL an. Der verschuldete Kabelbetreiber hatte Anfang Mai Gläubigerschutz beantragt. Eine Umwandlung der Schulden in Aktien machte daraufhin die Investmenthäuser zu kontrollierenden Eigentümern. An NTL hängt auch das Schicksal vom hessischen Kabelbetreiber Isey. Das Unternehmen entließ bereits im Mai das deutsche Management. Das Sagen hat nunmehr die britische Zentrale.

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