KPNQwest Ende der Gnadenfrist?

Kabelgau? Alcatel droht dem Kabelbetreiber, das Netz am Dienstag abzuschalten. Der französische Konzern will damit offenbar den Druck bei den Verhandlungen über das insolvente Unternehmen erhöhen.

Amsterdam - Die Gandenfrist für den insolventen Kabelbetreiber KPNQwest  könnte schneller ablaufen als angenommen. Wie aus unternehmensnahen Kreisen zu hören war, dürfte das Netz möglicherweise schon an diesem Dienstagabend abgeschaltet werden.

Grund: Alcatel, der Hauptgläubiger des niederländischen Kabelbetreibers KPNQwest, habe bis zu diesem Zeitpunkt 15 Millionen Euro gefordert, hieß es. Damit wäre auch der vereinbarte Weiterbetrieb der Datenleitungen bis Ende des Monats gefährdet.

Thilo Huys, Sprecher von KPNQwest Germany, bestätigte gegenüber manager-magazin.de, dass bei einer derartigen Forderung von Alcatel tatsächlich der Weiterbetrieb des Netzes gefährdet sei. Jedoch befinde sich KPNQwest bereits seit Wochen mit Alcatel in Verhandlungen. Derzeit liefen Gespräche zwischen Alcatel, der KPNQwest-Geschäftsführung und den Insolvenzverwaltern. Möglicherweise wolle Alcatel den Druck verstärken, um die Verhandlungen zu beschleunigen.

Während die unternehmensnahen Quellen über eine Abschaltung spekulieren, rechnet der KPNQwest-Sprecher allerdings nicht damit. Dabei hat Alcatel allen Grund, Druck auszuüben. Die Gesamtforderungen des französischen Telekom-Zulieferers Alcatel an KPNQwest belaufen sich Schätzungen zufolge auf rund 100 Millionen Euro.

Sollte das Kabelnetz nun abgeschaltet werden, müssten die Konkursverwalter und damit letztlich die Gläubiger wie Alcatel einen kräftigen Preisabschlag beim Verkauf des Netzes hinnehmen. KPNQwest-Kunden gingen verloren und Teilverkäufe würden nur noch einen deutlich niedrigeren Preis einbringen.

Das Unternehmen ist ein Joint Venture der niederländischen Telekomkonzern KPN und dem US-Unternehmen Qwest. Im vergangenen Monat hat der KPNQwest-Konzern Insolvenz angemeldet. Bei den Verhandlungen soll es inzwischen zwei Konsortien geben, die einen Großteil der KPNQwest-Anlagen aufkaufen wollen. "Sie haben zwei ernsthafte Bieter für das ganze Netz, ohne Zentraleuropa, und sie haben immer noch mindestens 30 weitere Interessenten für Teile des Netzes", hieß es. Früheren Angaben zufolge sollen unter den Bietern die britische Colt , Cable & Wireless, die Deutsche Telekom  und der US-Konzern AT&T  sein.

KPNQwest hat sich beim Aufbau seines europaweiten Datennetzes hoch verschuldet. Insgesamt belaufen sich die Schulden auf über acht Milliarden Euro. Der Börsenwert ist in nur zwei Jahren von 42 Milliarden Euro auf mittlerweile weniger als zehn Millionen Euro gesunken.

KPNQwest: Ein Viertel des deutschen Netzes könnte ausfallen. Der niederländische Kabelbetreiber meldet Insolvenz

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