Browser Kind des "Browserkriegs" wird flügge

Mozilla 1.0 steht bereit. Der Internetbrowser bietet eine Alternative zum Explorer und Netscape.

Frankfurt/Main - Vier Jahre nach seinem Start hat das Mozilla-Projekt sein erstes Ziel erreicht: Ein schneller Internet-Browser, unabhängig von kommerziellen Interessen und allein den offenen Standards wie HTML, XML oder JavaScript verpflichtet. Das jetzt zum Download bereit gestellte Mozilla 1.0 tut das, was es soll: Web-Seiten, E-Mails und Beiträge in Newsgroups unaufdringlich und flott auf den Bildschirm zu bringen.

Mozilla ist ein Kind des "Browserkriegs": Als sich Anfang 1998 abzeichnete, dass der Browser-Pionier Netscape den Wettbewerb mit dem Internet Explorer von Microsoft verlieren würde, gab Netscape den Quellcode des Programms frei und rief Programmierer in aller Welt dazu auf, die Software als freies Open-Source-Projekt weiterzuentwickeln. Dabei entstand zunächst das Browser-Kernstück "Gecko": ein Software-Modul, das in andere Programme eingebaut werden kann.

Auch Netscape, seit 1998 Teil des AOL-Imperiums, nutzt die Mozilla-Technik. Dabei wurden aber offenbar zwei schwer wiegende Fehler gemacht: Zum einen wurden dafür unausgereifte Vorversionen von Mozilla verwendet, zum anderen machten zusätzliche Funktionen den Browser schwer und behäbig.

Die Folge dieser Entwicklung können Internet-Anbieter in den Protokollen ihrer Web-Server feststellen: 84,7 Prozent der Internet-Surfer gehen mit dem Internet Explorer ins Netz - so weist es etwa die aktuelle Zugriffsstatistik der deutschen Suchmaschine MetaGer aus. Nur 14,3 Prozent nutzen noch Netscape; der Rest von einem Prozent setzt Opera, den Linux-Browser Konqueror oder andere Programme ein. Die Netscape-Nutzer verwenden meist noch die im Oktober 1999 eingeführte Version 4.7, die zwar technisch veraltet, dafür aber recht stabil ist. Erst ab der Version 6.1 hat Netscape wieder zur alten Qualität zurückgefunden.

Kartenvergleich

Das neue Mozilla ist nach dem Download von rund 10 MB schnell installiert. Als Zusatz-Ausstattung können "Themes" heruntergeladen werden, mit denen der Oberfläche des Programms ein anderes Aussehen verpasst wird. Eine nützliche Neuerung ist die Darstellung von Web-Seiten in mehreren Karteikarten: Wird mit einem Link eine neue Seite aufgerufen, kann diese über die rechte Maustaste auf einer eigenen Karte angezeigt werden. Auf diese Weise lassen sich mehrere Seiten übersichtlich im gleichen Fenster darstellen; der Karteikartenreiter zeigt stets den Kurztitel der Seite an.

Cookie-Manager behält Überblick

Mozilla lässt Internet-Nutzern eine weitgehende Kontrolle über die Daten, die manche Web-Anbieter auf die Computer schmuggeln wollen. Ein "Cookie-Manager" gibt den vollen Überblick über alle Web-Sites, die diese kleinen Textdateien auf der Festplatte ablegen. Sinnvoll sind Cookies etwa bei der Einrichtung eines Internet-Portals nach den persönlichen Bedürfnissen. Andere Cookies versuchen, das Nutzungsverhalten im Internet für Marketing-Zwecke zu erfassen - diese lassen sich gezielt löschen oder ganz blockieren. Praktischerweise erfasst der Cookie-Manager auch diejenigen digitalen Kekse, die beim Surfen mit einem anderen Browser abgelegt wurden.

Der neue Browser mit dem fauchenden Drachen legt Wert auf Sicherheit: Wenn eine Web-Seite den Browser dazu nötigen will, eine Programmdatei zu starten, verweigert dieser seinen Dienst. Nervige Popup-Fenster mit aufdringlicher Werbung lassen sich mit Mozilla einfach abschalten. Praktisch ist ein Password-Manager, mit dem die Kennwörter für verschiedene Web-Sites zentral verwaltet werden können. Ein bereits angezeigter Download-Manager soll erst in der Version 1.1 aktiviert werden, die bis August fertig gestellt sein soll.

XML - kein Problem

Keine Mühe hat Mozilla mit CSS - jenen als "Cascading Style Sheets" bezeichneten Formatvorlagen, die sich um ein interessantes Web-Layout vor allem von Texten kümmern. Erstaunlich gut funktioniert auch bereits die Darstellung von XML-Dokumenten - die "Extensible Markup Language" ist ein Internet-Standard für Dokumente aller Art mit weit reichender Bedeutung für die Zukunft.

Probleme gibt es allerdings mit all jenen Web-Seiten, die Zusatzprogramme wie den Flash-Player erfordern. Während diese in den neuen Versionen des Internet Explorers und des Netscape Navigators bereits integriert sind, muss man sie beim Mozilla wie in alten Zeiten erst zusätzlich herunterladen und in einem Plugin-Verzeichnis eintragen. Neben dem Browser, der in alter Netscape-Tradition als Navigator geführt wird, umfasst Mozilla auch ein E-Mail-Programm, ein Chat-Programm und ein Programm für die Kommunikation in Newsgroups. Die Software gibt es sowohl für Windows als auch für Macintosh und Linux.

Peter Zschunke, ap