KirchMedia WAZ sagt "nein danke"

Geprüft und für schlecht befunden: Die WAZ-Gruppe wird sich nicht bei der insolventen KirchMedia engagieren. Nach dem Ausstieg des Medienkonzerns werden die Karten im Bieterpoker neu gemischt.

Essen – Die WAZ-Gruppe beendet jegliche Spekulationen um eine mögliche Beteiligung an KirchMedia. Die Geschäftsführung der Mediengruppe teilte am Montagabend mit, dass eine Beteiligung an dem insolventen Unternehmen nicht mehr zur Debatte stehe.

Weiter hieß es, dass das Management sich einstimmig gegen ein Engagement ausgesprochen habe. Der Beschluss beruhe auf der Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Daten und Konstellation bei KirchMedia. Die Entscheidung sei den Gesellschaftern der WAZ mitgeteilt worden, die ursprünglich den Auftrag zur Prüfung eines möglichen Einstiegs bei KirchMedia erteilt hätten.

Ende der Spekulation um das WAZ-Konsortium

Damit sind auch Spekulationen um die Beteiligung der WAZ in ein Bieter-Konsortium für KirchMedia mit der Commerzbank und dem Hollywoodstudio Columbia vom Tisch. "Wir haben immer wieder gesagt, dass wir lediglich in der Prüfung sind. Es gab kein gemeinsames Angebot, sondern lediglich eine unverbindliche Interessensbekundung unsererseits", sagte Gerhard Schute für die WAZ gegenüber manager-magazin.de.

Der überraschende Rückzug des Medienkonzerns muss jedoch nicht das Ende des Konsortiums bedeuten. "Die Commerzbank hat immer betont, dass sie auch für andere Interessenten offen ist", hieß es am Montagabend aus Branchenkreisen. Es gebe eine Reihe von möglichen Partnern.

Auch bei der Columbia-Mutter Sony wurde die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. "Wir müssen jetzt überlegen, wie wir mit dem Ausstieg der WAZ umgehen, ob wir einen neuen Partner suchen oder ob wir das Konsortium umbauen“, sagte ein Sprecher des Konzern gegenüber dem Branchendienst Bloomberg. Sony interessiert sich vor allem für das Filmarchiv und die Fußballrechte, die unter dem Dach der KirchMedia gebündelt sind.

Karten werden neu gemischt

In den vergangenen Tagen schien sich ein Bieter-Wettkampf um die Überreste des einstigen Kirch-Imperiums abzuzeichnen. Neben den Spekulationen um ein gemeinsames Angebot von WAZ, Commerzbank und Columbia hieß es auch, dass die Hamburger Verlagshäuser Axel Springer und Heinrich Bauer zusammen Interesse an einer Beteiligung an KirchMedia haben. Andreas Fritzenkötter, Sprecher des Heinrich Bauer Verlages wollte die aktuelle Entwicklung gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Eine Zusammenarbeit von Commerzbank und Springer erscheint indes unwahrscheinlich. Zuletzt hatte es massive Verstimmungen zwischen beiden Unternehmen gegeben, als das Kreditinstitut die Springer-Anteile von Leo Kirch kaufen wollte. Der Verlag hatte das Vorhaben verhindert.