NEC Vor der Europa-Offensive

Der japanische Handyhersteller hat den europäischen Markt im Visier. Doch die Dominanz der hiesigen Anbieter wird nur schwer zu brechen sein.

Hamburg – Japans Ruhm als Wirtschaftsmacht hat in den vergangenen Jahren gelitten. Zuletzt machte das Land nur noch durch Schreckensmeldungen über eine andauernde Rezession und hohe Arbeitslosenzahlen von sich Reden.

Jetzt aber arbeitet Nippon fleißig an einem Comeback in den westlichen Märkten. Als Eintrittskarte soll sich UMTS beziehungsweise die abgespeckte Variante i-mode erweisen. Nachdem japanische Konzerne bisher in Sachen Mobilfunk den Anschluss verpasst hatten, wollen sie die Chance nun nutzen und in diesen Bereichen die übermächtige Konkurrenz aus Europa erneut attackieren.

NEC peilt 15 Prozent Marktanteil an

Zum Vorreiter avanciert der Handy-Hersteller NEC. In Japan ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von mehr als 40 Prozent die unbestrittene Nummer eins. In Europa hingegen liegt der Anteil bei weniger als einem Prozent.

Ben Nakamura, Chef der NEC-Handysparte, kündigte gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD) an, diesen Zustand zu ändern: "Wir wollen bis 2004 zehn Prozent Marktanteil in Europa haben." 2005 will Nakamura sogar die 15 Prozentmarke erreichen. Bisher haben europäische Anbieter wie Nokia, Siemens oder Ericsson das Geschäft mit Mobiltelefonen fest in der Hand, wobei Nokia mit einem Anteil von 40 Prozent unangefochten an der Spitze liegt.

UMTS soll die Wende bringen

Um den Branchenführern auf dem alten Kontinent die Kunden abzujagen, setzt NEC vor allem auf den Mobilfunk der dritten Generation. Durch die Einführung von UMTS, so die Hoffnung der Japaner, könnte ein neuer Markt für Mobiltelefone entstehen. Ben Nakamura zeigte sich gegenüber der FTD fest davon überzeugt, dass die Nutzer dann bereit sind für neue und teurere Handys.

NEC hat hier einen klaren Vorteil gegenüber der europäischen Konkurrenz. In Japan hat das Unternehmen reichlich Erfahrung mit dem UMTS-Vorgänger i-mode gesammelt. Von den 33 Millionen i-mode-Kunden telefoniert der Großteil dort mit NEC-Handys.

Ein teures Unterfangen

Experten sehen hier eine gute Möglichkeit für NEC. "Die Chance, mit der Erfahrung im Segment der UMTS-Handys zu punkten und Kunden zu gewinnen, sind durchaus realistisch", sagte Thomas Langer, Analyst bei Panmure, gegenüber manager-magazin.de. Allerdings hält Langer die gesetzten Ziele für überzogen: "15 Prozent sind etwas hoch gegriffen, fünf Prozent sind realistisch."

Auf jeden Fall wird NEC die Europa-Offensive einiges kosten. Die Marke ist bis jetzt eine unbekannte Größe, während Nokia und Co. etabliert sind. "Das wird ein teures Unterfangen", urteilt Panmure-Analyst Langer.