Kirch Konsortium demonstriert Einigkeit

Nach einigem Hin und Her sind die Eckpunkte des Übernahmekonsortiums für eine Übernahme von KirchMedia festgeklopft. Commerzbank, WAZ und Columbia Tristar bieten zusammen für Kirchs Kerngeschäft. Wackelkandidat ist noch die WAZ.

Frankfurt - Die Eckpunkte des Übernahmekonsortiums für die insolvente KirchMedia stehen nach Angaben der Commerzbank AG  fest. "Am Donnerstag hat sich Kreditvorstand Wolfgang Hartmann mit dem Columbia- Europachef John McMahon und dem WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach in Köln darüber verständigt", sagte eine Sprecherin der Bank am Freitag in Frankfurt. In der nächsten Woche solle ein Konsortialvertrag unterschrieben werden. "Es könnte sein, dass dabei noch weitere Partner ins Boot kommen."

Es gebe derzeit viele Gespräche, hob die Sprecherin hervor. Neben dem US-Filmstudio Columbia und der WAZ gibt es nach Angaben der Commerzbank noch weitere Interessenten für KirchMedia. Bleibt es bei der derzeitigen Dreier-Konstellation, sind je 40 Prozent für Commerzbank und WAZ sowie 20 Prozent für Columbia vorgesehen, hieß es.

Zu den Interessenten zählen die Rewe-Gruppe, die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG, der italienische Medienkonzern Mediaset von Ministerpräsident Silvio Berlusconi sowie das italienische Kreditinstitut Mediobanca. Auch der französische Sender TF1 interessiert sich Presseberichten zufolge für Kirchs Kerngeschäft. Der Bauer-Verlag hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass das Verlagshaus sich zwar für KirchMedia interessiere, aber sich nicht an dem Commerzbank-Konsortium beteilige.

WAZ-Gesellschafter noch uneins?

Aber trotz der Meldung, die Eckpunkte für das Konsortium seien festgelegt, zeigt sich die WAZ noch als Wackelkandidat. Denn noch mussen die Essener Geschäftsführer auch die eigenen Gesellschafter von dem Geschäft überzeugen. "In 48 Stunden lässt sich das größte Geschäft in der 54-jährigen WAZ-Geschichte nicht unter einen Hut bringen", heißt es in den Redaktionsstuben des Verlages.

Den Gesellschaftergruppen, also den Nachkommen der WAZ-Gründer Erich Brost und Jakob Funke, muss erst einmal ein rentables Konzept zum Einstieg vorgelegt werden. Die Brost-Seite mit dem Adoptivsohn und geschäftsführenden Gesellschafter Erich Schumann sowie Anneliese Brost gilt als unkompliziert. Die Jakob-Seite ist dagegen häufig uneins und schwer auf eine Linie zu bekommen.

Dabei geht es um ein Geschäft, dass den Gesamtwert eines Jahresumsatzes der WAZ-Gruppe umfasst, also um rund 1,9 Milliarden Euro. Und es geht um hohe Ansprüche. Die WAZ erwirtschaftet seit Jahren eine zweistellige Rendite, so hoch wie kaum ein anderer Medienkonzern. Daran messen die Essener auch das künftige Geschäft.

Zwischen 1,8 und 2,5 Milliarden Euro schwer

Die Commerzbank schätzt den Wert des Kirch-Kerngeschäfts zwischen 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro. Branchenkreisen spekulieren jedoch, dass sich das Angebot des Konsortiums am unteren Ende der Spanne bewegen dürfte.

Sollte das Commerzbank-Konsortium den Zuschalg erhalten, plant es, aus der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG und dem Rechtehandel eine Aktiengesellschaft zu machen, die das Institut später an die Börse bringen kann. Allerdings ist dies nach Angaben aus Verlagskreisen ein strittiger Punkt mit der WAZ, die eine GmbH präferiere. Nur so lasse sich aber ein Marktpreis bei Verkauf von Anteilen erzielen, heißt es bei der Commerzbank. Denn das eigene Paket soll mittelfristig auf 25 Prozent reduziert werden.

Die operative Führung soll laut "Financial Times Deutschland" die WAZ-Gruppe übernehmen, die damit zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Bertelsmann in Deutschland aufsteigen würde. Sollte die WAZ bei Kirch zum Zuge kommen, wird sie wahrscheinlich ihre Anteile am Konkurrent und Bertelsmann-Unternehmen RTL aufgeben müssen.

Um KirchMedia fit zu machen, plant das Konsortium ein rigides Kostenmanagement. Wie aus WAZ-Kreisen zu hören war, könnten dadurch mindestens 50 Millionen Euro eingespart werden, denn es gebe Luxusstrukturen.