Kirch-Krise Knatsch im Konsortium

Die WAZ-Gruppe distanziert sich von der Commerzbank. Das Bankhaus hat am Mittwoch ein Übernahmeangebot für KirchMedia abgegeben. Der Verlag hält dies für falsch. Der Streit wird nun öffentlich ausgetragen.

München - Nur einen Tag nachdem die Commerzbank offiziell ein konkretes Übernahmeangebot bestätigt hatte, ging die WAZ-Gruppe am Donnerstag auf Distanz zu dem Geldinstitut. "Aus Sicht der WAZ-Geschäftsführung kann von einem formalen Angebot unter Einschluss konkreter Zahlen überhaupt keine Rede sein", heißt es in der Ausgabe der "WAZ" am Donnerstag. Die Commerzbank hatte am Mittwoch davon gesprochen, gemeinsam mit der WAZ-Gruppe und dem Hollywood-Studio Columbia Tristar für KirchMedia geboten zu haben. Als möglichen Kaufpreis nannte ein Commerzbank-Sprecher eine Summe von bis zu 2,5 Milliarden Euro.

Die WAZ-Mediengruppe habe die weit reichenden Äußerungen der Bank "mit Erstaunen zur Kenntnis genommen", berichtete die Zeitung unter der Überschrift: "Bei KirchMedia bleibt die WAZ zurückhaltend". Der Investment-Bank UBS Warburg, die den Verkauf von KirchMedia steuert, sei lediglich eine "unverbindliche Interessensbekundung" übermittelt worden, wie es auch zahlreiche andere Investoren getan hätten. Auch ein Kaufpreis von bis zu 2,5 Milliarden Euro stehe nicht fest.

Nicht um jeden Preis

"Zu vieles ist ungeklärt", wurde die WAZ-Geschäftsführung in ihrer Hauszeitung zitiert. Zwar habe der Konzern weiterhin grundsätzliches Interesse, "aber nicht um jeden Preis und zu allen Bedingungen". Weiter umstritten sei für die WAZ eine von der Commerzbank angestrebte unternehmerische Führung und vor allem die Bewertung von KirchMedia. "Auch ein nicht gemachtes schlechtes Geschäft ist eine gutes Geschäft", betonte die WAZ-Führung.

Die Commerzbank wollte die WAZ-Kritik nicht kommentieren. Ein Sprecher betonte aber, das eingereichte Angebot sei selbstverständlich unverbindlich. Ein verbindliches Angebot könne erst nach einer gründlichen Wertanalyse und eingehender Unternehmensprüfung der KirchMedia erfolgen.

"In der jetzigen Phase geht es uns darum ein Konsortium auf die Beine zu stellen", erklärte der Commerzbank-Sprecher. Dazu sei die Bank mit mehreren Interessenten im Gespräch. Neben der WAZ und Columbia Tristar gehörten auch der Bauer Verlag, der bisherige Kirch-Aktionär Rewe und die Beteiligungsgesellschaft WCM zu den möglichen Mitgliedern des Übernahmekonsortiums.

Absage vom Bauer-Verlag

Nach den Worten des Sprechers sei auch noch nicht entschieden, ob die WAZ-Gruppe überhaupt zum Kreis der Investoren zählen werde. Eine Absage kam am Donnerstag auch von dem Hamburger Bauer-Verlag. Das Verlagshaus ist mit mehreren Partnern in Gesprächen über eine mögliche Übernahme der insolventen KirchMedia, ist an dem geplanten Konsortium der Commerzbank aber nicht beteiligt.

"Wir haben ein allgemeines Interesse an KirchMedia geäußert. Wir reden mit sehr vielen Partnern. Mit der genannten Bietergruppe haben wir nichts zu tun", sagte Verlagssprecher Andreas Fritzenkötter der Nachrichtenagentur Reuters. Ob der Hamburger Verlag nur an Teilen von KirchMedia interessiert ist oder mit anderen für das ganze Unternehmen bieten will, wollte er nicht sagen. Auch die Gesprächspartner des Verlags wollte Fritzenkötter nicht nennen.