Telekom Flatrate bei ISDN

Rüffel vom Regulierer - der Rosa Riese muss auch sein Schmalband öffnen.

Bonn - Die Deutsche Telekom  muss anderen Netzbetreibern den Zugang zum Internet auch per ISDN und Analogleitung zu einem Pauschalpreis ohne Zeittakt anbieten. Das hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post entschieden. Noch offen ist allerdings, welchen Preis die Telekom für die so genannte Vorleistungs-Flatrate verlangen kann.

Beantragt hatte den pauschalen Zugang der Netzbetreiber Mediaways aus Gütersloh. Über das Netz der Tochterfirma der spanischen Gesellschaft Telefonica läuft unter anderem der Online-Dienst AOL sowie die Internet-Angebote von RTL und Bertelsmann. Die Vorleistungs-Flatrate soll es Telekom-Konkurrenten ermöglichen, wiederum ihren Kunden den Internetzugang zu monatlichen Pauschalpreisen anzubieten.

Zustimmung bei der Bundesregierung

Der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, sagte, bei der Entscheidung sei auch berücksichtigt worden, dass die Telekom "bereits seit geraumer Zeit selbst intern eine entsprechende Vorleistungs-Flatrate für Internet-Verkehr berechnet". Die Telekom soll nun binnen sechs Wochen einen Entgeltantrag einreichen, über den dann die Regulierungsbehörde gesondert entscheiden muss.

Die Bundesregierung begrüßte die Entscheidung als Schritt in die richtige Richtung. Der Staatsminister im Kanzleramt, Hans Martin Bury, erklärte, zwar sei "die Zukunft breitbandig", eine Flatrate im Schmalband könne aber zusätzliche Internetnutzung bringen. Er setze darauf, dass "auch die Folgeentscheidungen der Regulierungsbehörde die Balance zwischen Verbraucherinteresse und Förderung von Zukunftsinvestitionen wahren", deutete Bury die Forderung nach niedrigen Preisen an.

Der Streit um die Internet-Flatrate tobt schon seit Jahren. Die Telekom selbst bietet derzeit ihren Kunden einen nicht zeitgetakteten Internetzugang nur in der breitbandigen DSL-Technik an. Ein früheres Angebot einer Flatrate auch beim Zugang über das schmalbandige ISDN hat die Telekom als unwirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll inzwischen wieder eingestellt.

Telekom gegen Investitionen in Schmalband-Anschlüsse

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte, das Unternehmen werte die Entscheidung "nicht sehr positiv". Nach Ansicht der Telekom gingen zusätzliche Investitionen in Schmalband-Anschlüsse, wie sie durch das Angebot einer Flatrate erzwungen würden, in die falsche Richtung. Sinnvoller wäre es, die knapper werdenden Mittel auf die zukunftsträchtige breitbandige DSL-Technik zu konzentrieren.

Mediaways-Strategiechef Steffen Müller lobte die Regulierungsentscheidung. "Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines chancengleichen Wettbewerbs für alle Anbieter im Carrier-Markt. Davon profitieren die Unternehmen der Internetbranche, die Endkunden und die gesamte Konjunktur in Deutschland."

Ausschlaggebend werde aber die Höhe des Pauschaltarifes sein, den die konkurrierenden Netzanbieter an die Telekom zu zahlen hätten. "Neue attraktive Preismodelle für die kostengünstige und zeitlich unbeschränkte Internetnutzung per Modem oder ISDN werden neben breitbandigen Angeboten zum endgültigen Durchbruch des Internets als Massenmedium führen", betonte Müller.

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