KirchMedia Zwist beim Bieter-Trio bedroht Übernahme

Ein kurioses Konsortium aus WAZ-Gruppe, Commerzbank und der Sony-Tochter Columbia gilt als Favorit für die Übernahme der KirchMedia. Doch die Commerzbank bekommt kurz vor dem entscheidenden Termin offenbar Angst vor der eigenen Courage.

München/Essen/Frankfurt - Es wird langsam ernst, nach einer Phase des unverbindlichen Flirts müssen nun Entscheidungen fallen. Am Montagabend sollen WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach, Commerzbank -Vorstand Wolfgang Hartmann und Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) noch einmal zusammengekommen sein, um den Einstieg bei der insolventen Kirch-Tochter zu besprechen.

Der Commerzbank-Vorstand will sich laut Branchenkreisen am Dienstag auf einer Vorstandssitzung mit dem Thema beschäftigen. Keine leichte Aufgabe für Vorstand Hartmann: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat er Zusagen, die er der WAZ-Gruppe bereits gemacht habe, wieder zurückgezogen. Die Chancen, dass das Trio in dieser Woche den Zuschlag bekommt, seien damit deutlich gesunken.

WAZ zweifelt angeblich an Kompetenz der Commerzbank

Beobachter rechnen damit, dass gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag der KirchMedia noch in dieser Woche das formelle Insolvenzverfahren eröffnet wird. Es hieß bisher, die WAZ-Gruppe, die Commerzbank und das Hollywood-Studio Columbia TriStar würden vorher ein Gebot von vermutlich drei Milliarden Euro für die Filetstücke des Kirch-Kerngeschäftes abgeben. Das Verlagshaus aus Essen und die Bank würden jeweils 40 Prozent, die Amerikaner den Rest erhalten.

Wie die "Süddeutsche" schreibt, ist die Commerzbank aber nicht mehr bereit, der WAZ-Gruppe die unternehmerische Führung an der KirchMedia-Auffanggesellschaft zu übertragen, die nach ersten Vorschlägen vermutlich NewCo heißen wird. Die Essener hätten es stets zur Bedingung für einen Einstieg gemacht, dass sie die Regie führen dürfen. Bank-Vorstand Hartmann soll seine ursprüngliche Zustimmung revidiert haben, nachdem die Commerzbank-Investmentabteilung Einspruch erhoben habe. Die WAZ-Chefs trauen dem Geldinstitut laut "Süddeutsche" nicht zu, das Medienunternehmen zu führen, zum dem der Sport- und Filmrechtehandel sowie das TV-Unternehmen ProSiebenSat.1 gehören.

Streitpunkt Bundesliga

Zugleich gibt es offenbar Streit unter den drei Konsortialpartnern, wer die finanziellen Risiken des Einstiegs ins Bundesliga-Geschäft tragen soll. Die Proficlubs sind vertraglich bis 2004 an KirchMedia gebunden und verlangen Garantien dafür, dass sie bis dahin ihr Geld sehen. Columbia soll keinerlei Interesse daran haben, dafür zu bürgen. Auch die Commerzbank wolle entgegen ursprünglichen Zusagen nicht mehr für die dreistellige Millionensumme gerade stehen, heißt es in der "Süddeutschen". Die WAZ müsste das Risiko alleine tragen, und dies missfalle dem Management.

Branchenbeobachter wundern sich ohnehin darüber, was die WAZ-Gruppe mit den Fernseh- und Sportrechtebeteiligungen anfangen will. Der vermögende Verlag, der Konkurrenten durch seine hohe Rendite und Sparsamkeit beeindruckt, setzt in Deutschland, Österreich und Osteuropa fast ausschließlich auf das Geschäft mit regionalen Tageszeitungen und hat Experimente bisher stets abgelehnt.

Zeitungen allen zu unsicher

Abgesehen von einer 7,4-Prozent-Beteiligung an der RTL Group hat die Gruppe keinerlei Erfahrungen im Fernsehgeschäft. WAZ-Gesellschafter Erich Schumann hatte sich bisher zwar bemüht, Leo Kirchs 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag zu übernehmen, bisher aber kein Interesse an anderen Geschäftszweigen der KirchGruppe erkennen lassen - obwohl ihm offenbar die Formel-1-Beteiligung von Kirch angeboten worden ist.

Schumann hatte traditionell den Einstieg in Geschäftsfelder abgelehnt, von denen sein Unternehmen nichts verstehe. Nun scheint er seine Meinung geändert zu haben: Ein Medienkonzern, der nur auf Zeitungen setze, sei immer krisenanfälliger als ein breit aufgestelltes Haus mit mehreren Segmenten.

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