Datenspeicher Millionen Buchseiten auf einer Briefmarke

Maximale Kapazität bei minimaler Größe - mit Nanotechnologie will IBM das Speichergeschäft revolutionieren.

Zürich/Rüschlikon - Der Computerkonzern IBM will mit Nanotechnologie die Daten-Speicherung revolutionieren. Nach eigenen Angaben hat das US-Unternehmen einen wichtigen Schritt in diese Richtung gemacht. IBM-Wissenschaftlern sei es im Zuge des Projektes "Millipede" (Tausendfüßler) gelungen, ein Terabit pro Quadratzoll zu speichern - genug, um 25 Millionen Buchseiten oder den Inhalt von 25 DVDs auf der Fläche einer Briefmarke zu speichern.

"Millipede könnte mobilen Geräten wie PDAs, Mobiltelefonen und multifunktionalen Armbanduhren enorme Speicherkapazität verleihen", erklärte Projektleiter Peter Vettiger. Andere mögliche Anwendungen seien beispielsweise Lithographie im Nanometerbereich, mikroskopische Abbildungen von relativ großen Bereichen, oder atomare und molekulare Manipulation.

Das Lochkarten-Prinzip

In dieser Entwicklung spiele die Nanomechanik anstelle von herkömmlicher magnetischer oder elektronischer Speichertechnologie eine zentrale Rolle. Mit Tausender feinster Spitzen "schreibe" Millipede winzige Vertiefungen, die einzelne Bits repräsentierten, in einen dünnen Film aus Kunststoff. Das Resultat sei mit einer althergebrachten Lochkarte vergleichbar, allerdings auf der Skala von Nanometern (Millionstel-Millimetern). Die Bits ließen sich auch löschen und überschreiben.

Die IBM-Wissenschaftler glauben, dass die Technologie noch zu weit höheren Speicherdichten führen könne. "Da Nanometer scharfe Spitzen einzelne Atome adressieren können, sind Verbesserungen weit über den Terabit-Meilenstein hinaus möglich", erklärte Nobelpreisträger Gerd Binnig, nach IBM-Angaben eine treibende Kraft hinter dem Millipede-Projekt. "Während die heute eingesetzten Speichertechnologien allmählich an fundamentale Grenzen stoßen, steht unser nanomechanischer Ansatz erst am Anfang und hat ein Entwicklungspotential für tausendfach höhere Speicherdichte."

Prototyp im nächsten Jahr

Das Team am IBM Forschungslabor Zürich habe einen experimentellen Speicherchip mit mehr als tausend Spitzen erprobt. Derzeit arbeiteten Die Forscher am Prototyp eines kompletten Speichersystems. Dies soll nächstes Jahr betriebsbereit sein.