Intershop Ladenschluss in Jena?

Hohe Verluste und wütende Aktionäre: Gründer und Chef Stephan Schambach stand auf der Hauptversammlung unter Druck. Auch die Zukunft sieht alles andere als rosig aus.

Hamburg/Jena – Wirklich positive Zukunftsaussichten konnte Stephan Schambach, Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender der Intershop AG , seinen Aktionären auf der Hauptversammlung nicht präsentieren. Sollte das Unternehmen weitere Verluste hinnehmen müssen und gelinge eine dann erforderliche Kapitalbeschaffung nicht, könne Intershop gezwungen sein, "seine Aktivitäten zu verschieben, zu reduzieren oder ganz einzustellen", hieß es im Lagebericht des Konzerns.

Entsprechend aufgebracht waren die Anteilseigner. "Ein aufgeblasener Ballon ist geplatzt", sagte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Dirk Unrau. An anderer Stelle hieß es: "Hier ist Geld verbrannt worden."

Grund für den Ärger: Im vergangenen Jahr hatte Intershop einen Verlust von knapp 132 Millionen Euro verbuchen müssen. Zudem werden die Aktionäre auf eine Dividende verzichten müssen. Schambach gab sich entsprechend kleinlaut: "Das Jahr 2001 war das wohl schwierigste."

Zweckoptimismus

Der Zukunft blicke er aber optimistischer entgegen. Zwar sei kurz- bis mittelfristig nur ein verhaltendes Unternehmenswachstum zu erwarten. Langfristig sei jedoch mit einer Belebung der Nachfrage zu rechnen. Schambach: "Ich sehe den Trend, dass der Handel über das Internet ungebrochen ist."

Viel vorgenommen hat sich Intershop für das laufende Geschäftsjahr. Der Anbieter von Software für Großunternehmen will nach Aussage von Finanzchef Jürgen Schöttler "wieder positiv werden". Um diesen Schritt zu schaffen, hat das Unternehmen laut Vorstandschef Schambach ein Maßnahmenpaket geschnürt. In Zukunft wolle sich Intershop stärker als bisher auf Großkunden konzentrieren.

Gleichzeitig solle bis Ende Juni dieses Jahres die Zahl der Arbeitsplätze auf 500 reduziert werden, kündigte Schambach an. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres hatte Intershop 485 Arbeitsplätze abgebaut und damit zum Stichtag 31. Dezember 2001 nur noch 733 Mitarbeiter beschäftigt.

Ob diese Einschitte ausreichen, ist indes fraglich. "Von Intershop sind keine Wunder zu erwarten. Der Markt für Shop-Systeme ist derzeit nicht vorhanden", sagte ein Branchenkenner gegenüber manager-magazin.de. Insofern müssen sich die Intershop-Aktionäre wohl auf weitere Hiobsbotschaften gefasst machen.