IBM Versteckte Gewinnwarnung

Der US-Technologiegigant droht zum ersten Mal seit acht Jahren in die Verlustzone zu rutschen. Der Konzern wird umgekrempelt. Allein in Deutschland sind 1000 Stellen bedroht.

New York/Mainz – IBM  wird für Stellenstreichungen, den Ausstieg aus dem Festplatten-Geschäft und Abschreibungen im Mikroelektronikbereich Vorsteuer-Sonderbelastungen von zwei bis 2,5 Milliarden (2,7 Milliarden Euro) verbuchen. Die Belastungen werden vor allem im zweiten Quartal anfallen, teilte IBM am Dienstag nach Börsenschluss und einer ergänzenden Analystenkonferenz am Mittwoch mit. Dies könnte nach Ansicht von Marktexperten dazu führen, dass der Konzern zum erstenmal seit acht Jahren einen Quartalsverlust ausweisen wird.

J.P. Stevens, Analyst bei Buckingham Research, verwies darauf, dass nach US-GAAP zwar ein Verlust möglich sei. Dieser resultiere jedoch nicht aus dem operativen Geschäft. Analysten hatten zuvor einen Nettogewinn im zweiten Quartal von etwa 1,5 Milliarden Dollar oder von 0,87 Dollar pro Aktie erwartet.

Chipgeschäft wird neu gestaltet

In seiner Mikroelektronik-Sparte hat IBM 1500 Mitarbeiter bereits nach Hause geschickt, berichtet die Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg. Der Stellenabbau sei Teil der Neuorientierung des Chipgeschäfts, hieß es. Das Gros der Stellenstreichungen betrifft den Angaben nach Werke in den US-Bundesstaaten Vermont und New York. Im Ausland wolle IBM keine Arbeitsplätze abbauen.

Insgesamt beschäftigt IBM in seiner Mikroelektronik-Sparte rund 20.000 Menschen. Weltweit hatte IBM Ende 2001 fast 320.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen habe nach Angaben der Kommunikationsarbeiter-Gewerkschaft CWA in den letzten Wochen mehr als 5300 Stellen gestrichen, berichtet der Branchendienst heise.de darüber hinaus.

Deal mit Hitachi bedroht Jobs in Deutschland

Wie weiter bekannt wurde, kauft der japanische Technologiekonzern Hitachi die IBM-Festplattensparte für 2,05 Milliarden Dollar. Hier handelt es sich um ein gemeinsames Joint Venture, an dem der japanische Konzern zunächst mit 70 Prozent die Mehrheit hält.

Dabei gibt IBM 18.000 Mitarbeiter ab. Der US-Konzern will sich auf seine Kupfertechnologie konzentrieren und ältere Kapazitäten, die mit Aluminium-Technologie arbeiten, beseitigen. IBM will sich auch stärker auf das Design und die Fertigung von Chips ausrichten, die speziell für Kunden entworfen und produziert werden.

Beim Mainzer Werk für Festplattenteile des US-Konzerns sind über 1000 Arbeitsplätze gefährdet. Die IBM Deutschland Speichersysteme GmbH mit rund 2000 Mitarbeitern wird nach Mitteilung von Aussagen von Geschäftsführer Walter Meizer nicht in das neue Gemeinschaftsunternehmen von IBM und Hitachi aufgenommen und verliert deswegen den Hauptabnehmer für seine Computerteile. Die Speichersysteme GmbH suche nun andere Unternehmen, die die Mainer Gebäude und Einrichtungen für die Produktion nutzen können. Der Betriebsrat rechnet mit dem Verlsust von mindestens 1300 Mitarbeitern.

Wie viele Arbeitsplätze endgültig wegfallen müssten, sei noch nicht sicher. Die IBM-Konzern habe zugesagt, zusätzliche Aufgaben nach Mainz zu verlagern. Neben dem Werk für Speichersysteme beschäftigt IBM Deutschland in Mainz noch rund 1400 andere Mitarbeiter.

Neuorganisation soll Position verbessern

Die Restrukturierung von IBM wird sich nach Einschätzung des Chief Financial Officers (CFO) John Joyce in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr positiv bemerkbar machen. In diesen Zeitraum dürften auch die angekündigten Entlassungen fallen, sagte Joyce am Mittwoch in einer Analystenkonferenz.

Die Neuorganisation werde die Wettbewerbsfähigkeit und die finanzielle Lage des Technologiekonzerns verbessern, sobald der Aufschwung an Fahrt gewinne. Eine Prognose für das Gesamtjahr wollte der CFO nicht abgeben, dies erfordere "eine zu große Präzision".