Grid-Computing Netz ohne Grenzen

Die Informationstechnologie hat ihre Grenzen noch lange nicht erreicht. Nach Internet und mobilem Web wartet die nächste Stufe. Erwin Staudt, IBM-Deutschlandchef, sieht die Zukunft im Grid-Computing, den virtuellen Supercomputern.

Trotz mancher Turbulenzen der letzten Monate ist die Informationstechnologie nach wie vor einer der Wachstumsmotoren und Hoffnungsträger der Wirtschaft - nicht zuletzt auch auf Grund der großen Investitionen, die die Branche jedes Jahr in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien steckt: Allein IBM gab im letzten Jahr über fünf Milliarden US-Dollar für Projekte in seinen weltweit 30 Forschungs- und Entwicklungszentren aus, um Innovationen voranzutreiben, die in zukünftigen Computergenerationen zum Einsatz kommen sollen.

Bei allen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten steht das Internet im Mittelpunkt: Die Verlagerung unternehmerischer Kernprozesse ins Web, die einfache, komfortable und sichere Nutzung der Softwareanwendungen durch Unternehmen und Verbraucher sowie die unkomplizierte Handhabung der ständig anwachsenden Datenmenge sind in den nächsten Jahren von entscheidender Bedeutung für wirtschaftliches Wachstum. Dabei steht das Internet erst am Anfang seiner Möglichkeiten: Wir nutzen es heute hauptsächlich als riesiger Informationsspeicher, auf den über 500 Millionen Menschen zugreifen, um dort Daten zu suchen, abzurufen oder zu verschicken.

Weitgehend ungenutzt bleiben dagegen die riesigen Ressourcen der über das Internet miteinander verbundenen Rechner und Rechenzentren. Der Ansatz, dieses Potenzial auf Basis offener Technologiestandards wie dem Betriebssystem Linux zu nutzen, wird als Grid Computing bezeichnet. Schon bald werden Unternehmen in der Lage sein, Rechenleistung, Speicherressourcen und Anwendungen weltweit über das Internet zu nutzen.

Die Leistungsfähigkeit eines solchen "virtuellen Computers" stellt nicht nur alle heute verfügbaren Supercomputer in den Schatten. Es ermöglicht auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für IT-Dienstleister: Zukünftig wird es möglich sein, enorme Rechenleistung, grosse Speicherkapazität und aktuellste Software transaktionsorientiert zu mieten oder - wie Strom und Wasser - nach Verbrauch zu bezahlen. Gerade mittelständische und junge Unternehmen profitieren von diesem Zugang zu moderner und beinah grenzenloser Rechenleistung, da sie keine eigenen Rechenzentren mit hohen Betriebskosten mehr unterhalten müssen und dennoch allen zukünftigen Anforderungen an ihre IT-Infrastruktur gewachsen sind.

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