TV-Fußball Keine WM über Satellit

Satelliten-Kunden von ARD, ZDF und SAT.1 gucken bei der Weltmeisterschaft in die Röhre. Die Sender konnten sich nicht mit KirchMedia auf die Übertragungsmodalitäten für Live-Spiele einigen.

München – Die TV-Übertragung der Weltmeisterschaft beginnt mit einem handfesten Skandal. Rund eine Million Satelliten-Haushalte müssen in den kommenden Wochen auf die Live-Übertragungen bei ARD, ZDF und SAT.1 verzichten.

Noch am Dienstag hieß es, dass die Kontrahenten eine Lösung gefunden hätten Offenbar kam die Entwarnung aber zu früh. Nach intensiven Verhandlungen konnten sich die Sender mit der Kirch-Gruppe doch nicht auf eine digitale Ausstrahlung einigen. Die Gespräche scheiterten an der Höhe möglicher Schadenersatz-Zahlungen, für den Fall, dass durch die europaweite Ausstrahlung die Exklusiv-Übertragungen ausländischer Pay-TV-Sender beeinträchtigt worden wäre.

"Wir haben um alles gerungen, aber das Risiko war einfach zu groß", sagte ZDF-Sprecher Philipp Baum gegenüber manager-magazin.de. KirchMedia hatte gedroht, sämtliche Klagen seitens anderer TV-Stationen umgehend an die Öffentlich-Rechtlichen weiterzuleiten. Zuletzt wurden sogar Anwälte nordafrikanischer Fernsehsender beim ZDF vorstellig.

Unkalkulierbare Auflage

Daraufhin stuften die Verantwortlichen die Situation als unkalkulierbar ein. "Das können wir vor den Gebührenzahlern nicht verantworten", erklärte der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß. Auch ZDF-Intendant Markus Schächter zeigte sich enttäuscht. "Leidtragende sind ausschließlich Digital-Empfänger, doch KirchMedia hat bis zuletzt Hürden aufgebaut und Auflagen gemacht, die wir nicht erfüllen konnten", sagte Schächter.

"Wir haben alles unternommen, um auch den Zuschauern mit digitalen Empfangsgeräten die WM-Spiele zu zeigen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass anderen Rechte-Inhabern durch unsere Übertragung Schaden entstehen könnte, waren wir zu Ersatzzahlungen bereit", erklärte der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß.

Keine technische Lösung in Sicht

Auch eine technische Lösung scheiterte. Laut ZDF-Sprecher Baum hatte KirchMedia gefordert, das Satellitensignal der Öffentlich-Rechtlichen mit dem Premiere-Schlüssel zu codieren. Die Zuschauer wären in diesem Fall aber auf die Entschlüsselung durch eine D-Box angewiesen, die sie sich hätten besorgen müssen. Daher lehnten die Öffentlich-Rechtlichen diese Lösung ab.

Auch SAT.1 ist nach eigenen Angaben von der neuen TV-Situation betroffen. Die tägliche Zusammenfassung "Ran - WM-Fieber“ kann nur von digitalen Satelliten-Empfängern gesehen werden, die eine D-Box zum Entschlüsseln besitzen. Für die anderen digitalen TV-Zuschauer bleibt nur ein Flimmern auf der Mattscheibe.

ARD und ZDF haben für rund 128 Millionen Euro die Live-Rechte an 24 Spielen von der WM-Endrunde erworben. Vor allem in Spanien wäre es bei einer digitalen Satelliten-Ausstrahlung zu Problemen gekommen. Aber auch aus Polen und Norwegen hätte es möglicherweise Schadenersatz-Forderungen gegeben. Anstelle der Fußball-Übertragungen sollen nun Spielfilme gezeigt werden.