KPNQwest "It's all over"

Der niederländische Kabelbetreiber meldet am Freitag Insolvenz an. Auch für die deutsche Tochter soll der Weg zum Insolvenzverwalter in den nächsten Tagen erfolgen. CEO Jack McMaster sagt, "es ist alles aus".

New York – Klarheit bei KPNQwest. Anders als es in Berichten vom Donnerstag dieser Woche hieß, wird der niederländische Kabelbetreiber KPNQwest  erst an diesem Freitag Insolvenz anmelden. Das sagte Sprecher Thilo Huys gegenüber manager-magazin.de. Auch für KPNQwest Germany wird der Gang zum Insolvenzverwalter unumgänglich. "Wir bereiten gerade alles vor", so Huys. Wie lange das Unternehmen sein rund 25.000 Kilometer langes Kabelnetz weiter in Betrieb halten wird, konnte Huys nicht sagen. Am Donnerstag hieß es, das Netzwerk würde noch für mindestens sechs bis acht Wochen aufrecht erhalten.

Einem Bericht des Internetdienst TotalTelecom, der Onlineredaktion der Fachzeitschrift 'CommunicationsWeek International', sind die Verhandlugen mit potenziellen Käufern gescheitert. Der Dienst zitiert KPNQwest-CEO Jack McMaster mit "It's all over. The fat lady is on the stage". Damit scheint das Aus des Kabelbetreibers unausweichlich.

KPNQwest gilt bislang als der größte Kabelnetzbetreiber auf dem europäischen Kontinent. Zu den Kunden gehören unter anderem Dell  und BASF . KPNQwest hat bereits in den vergangenen Tagen seinen Kunden empfohlen, sich an andere Provider zu wenden. "Unsere großen Kunden haben alle noch einen anderen Anbieter im Hintergrund, ihnen wird nichts passieren", sagt Huys. In Presseberichten war bei einer möglichen Abschaltung des Netzes über das Ausmaß des Schadens spekuliert worden. Das "Wallstreet Journal" befürchtete sogar Beeinträchtigungen im allgemeinen Internetverkehr.

Gläubigerschutz beantragt

In der vergangenen Woche hatte KPNQwest in den Niederlanden Gläubigerschutz beantragt, da der Schuldenberg des Konzerns auf insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro angewachsen ist. KPNQwest ist bereits schon länger auf der Suche nach Käufern, die zumindest Teile des Unternehmens übernehmen könnten. Auch der Telekom-Konzern KPN  sucht Käufer für seine Beteiligung an dem Kabelbetreiber. Der niederländische Telefonkonzern hält 40 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Konzern Qwest, der mit 47,7 Prozent beteiligt ist.

Dass KPNQwest seinen Kunden bereits in den vergangenen Tagen geraten hat, sich anderweitig umzuschauen, wurde als Indiz gewertet, dass selbst die Geschäftsfürhung des Kabelbetreibers nicht mehr an eine Rettung glaubt. US-Medien berichteten zwar am Donnerstag, dass AT&T  200 Millionen Dollar für KPNQwest geboten hätte. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete zuvor jedoch, die Verhandlungen seien gescheitert.

Hilft KPN?

Unbestätigten Berichten vom Freitag zufolge soll KPN bereit sein, nun monatlich bis zu 35 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, damit KPNQwest sein Netzwerk weiter betreiben und einige seiner Schulden begleichen kann. KPN kämpft jedoch wie das US-Telekom-Unternehmen Qwest mit einer hohen Schuldenlast sowie einem schwachem Telekommunikationsgeschäft. Der Telekomkonzern selbst wolle KPNQwest nicht vollständig übernehmen, sei aber durchaus an einzelnen Teilen interessiert, hieß es.

Als weiterer potenzieller Interessent wird auch die drittgrößte US-Telefongesellschaft Sprint Corp gehandelt, die an Teilen von KPNQwest interessiert sein könnte.

Mehr lesen über