Primacom Greifen die Banken zu?

Der Quartalsverlust des Kabelbetreibers sinkt, aber der Schuldenberg liegt bei über 860 Millionen Euro.

Mainz - Der Kabelnetzbetreiber Primacom  hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres seine Verluste deutlich reduziert. Der Nettoverlust verbesserte sich auf 12,9 Millionen Euro nach 27,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das teilte Primacom, an dem auch das Kabelunternehmen United Pan-European Communication (UPC) beteiligt ist, am Mittwoch mit. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel ein Minus in Höhe von 1,029 Millionen Euro an, nachdem der Verlust in den ersten drei Monaten 2001 noch bei 10,259 Millionen Euro gelegen hatte. Finanzchef Paul Thomason bezeichnete die Quartals-Zahlen als "im Rahmen der Erwartungen".

Primacom betreibt und vermarktet Breitbandkabelnetze und interaktive Multimediadienste unter anderem in Leipzig und Magdeburg. Das Unternehmen gilt als drittgrößter privater Kabelnetzbetreiber Deutschlands und ist an drei lokalen TV-Sendern beteiligt. Unter anderem hatte Primacom auch beim Bieterverfahren um die neun regionalen Kabelgesellschaften der Deutschen Telekom mitgeboten, aber nicht den Zuschlag erhalten. Größter Aktionär von Primacom ist der hochverschuldete Kabelbetreiber UPC mit 24.99 Prozent. 46,91 Prozent der Aktien befinden sich im Freefloat.

Hohe Verschuldung

Als Grund für die massive Ergebnisverbesserung gab Primacom vor allem die geänderten Abschreibungsregeln auf Firmenwerte nach US-GAAP an. Alleine hierdurch habe der Kabelspezialist einen positiven Nettoeffekt in Höhe von 8,8 Millionen Euro erzielt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte entsprechend nur leicht um 14,8 Prozent auf 18,735 Millionen Euro zu. Parallel erhöhte sich der Umsatz um 13 Prozent auf 43,9 Millionen Euro.

Sollte sich der Wachstumstrend fortsetzen, könne ab 2005 mit schwarzen Zahlen gerechnet werden, hieß es. Vor allem im Internetgeschäft habe Primacom vom Zukauf der niederländischen Quicknet im Juli 2001 profitiert und seinen Umsatz in dieser Sparte auf 4,043 Millionen Euro von 662.000 Euro im Vorjahresquartal deutlich gesteigert.

Doch bis schwarze Zahlen in Sicht sind, dürfte das Unternehmen noch einiges zu tun haben. Zum Stichtag am 31. März betrug nämlich die Konzernverschuldung 861,4 Millionen Euro. Damit lag die Schuldenberg noch mal um 8,7 Millionen Euro höher als Ende 2001. Wie das Unternehmen mitteilte, bestehen die Verbindlichkeiten vorrangig aus Bankdarlehnen in Höhe von 469,7 Millionen Euro und einem zweitrangig besicherten Bankkredit über 375,6 Millionen Euro sowie anderen Verpflichtungen.

Wandlung des Bankkredits

Wie es mit Primacom nun weitergeht soll auf der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch entschieden werden. Dort soll die Neuordnung der Unternehmensfinanzierung beschlossen werden. Hauptbestandteil ist die geplante Wandlung des Bankkredits im Volumen von 375 Millionen Euro in Eigenkapital - also in Primacom-Aktien.

Bereits bei der Veröffentlichung seiner Bilanz für 2001 hatte der Kabelbetreiber Ende März angekündigt, dass die Gläubiger ab Ende 2004 ihre Forderungen in Anteile der Primacom Management GmbH umwandeln können. In dieser GmbH, die als Zwischenholding fungiert, soll das operative Geschäft Primacoms gebündelt sein. Kritiker bemängelten, dass in einem solchen Fall, das operative Geschäft in den Händen der Banken lande.