T-Online Lorbeeren für Holtrop

Thomas Holtrop im Aufwind: Der Vorstandschef überzeugt die Aktionäre auf der Hauptversammlung. 2002 will er die Gewinnzone erreichen. Zudem soll sich der Aktienkurs bald wieder nach oben bewegt.

Köln - Europas größter Internetanbieter T-Online  will beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen kommen. Bei der Hauptversammlung der Telekom-Tochter am Mittwoch in Köln unterstrich Vorstandschef Thomas Holtrop am Mittwoch noch ein Mal dieses Ziel.

Der Weg sei nicht mehr weit, T-Online könne im gesamten Konzern 2002 die Gewinnzone erreichen. In Deutschland erwirtschaftet die Telekom-Tochter bereits ein positives Ebita-Ergebnis. Insgesamt zählte der Onlinedienst Ende März 11,2 Millionen Kunden.

Aktienkurs soll steigen

Thomas Holtrop machte den Aktionären auch Hoffnung auf eine Besserung des seit langem unter dem Ausgabepreis liegenden Aktienkurses. Auch das Management sei mit der Entwicklung des am Neuen Markt gelisteten Papiers nicht zufrieden, fügte der Vorstandsvorsitzende hinzu. "Wir sind jedoch davon überzeugt, dass sich künftig unsere Geschäftsstrategie auch im Aktienkurs widerspiegeln wird." Holtrop machte vor allem das Umfeld für die gesunkenen Notierungen verantwortlich.

Weiter sagte der Provider-Chef, das Jahr 2001 sei zwar für die T-Online International AG ein "sehr erfolgreiches Geschäftsjahr" gewesen, doch speziell für Internet-Werte eines der bislang schwierigsten Börsenjahre. "Gewinnwarnungen, Insolvenzen und nicht erreichte Ziele von Mitbewerbern wirkten sich auch negativ auf die T-Online-Aktie aus", sagte Holtrop. Das Papier habe sich ähnlich wie der Nemax entwickelt und im vergangenen Jahr 1,8 Prozent verloren. Dies sei jedoch angesichts der widrigen Bedingungen noch eine relativ gute Performance, betonte Holtrop.

Provider im Wandel

"Das Internet ist und bleibt ein Wachstumsmarkt, wenn man seine Chancen zu nutzen weiß", unterstrich der Vorstand. "Tatsache ist, dass sich das Internet längst gleichberechtigt als 'viertes Medium' neben Print, Radio und Fernsehen etabliert hat."

Der Chef will den Wandel von T-Online vom reinen Anbieter für Internetzugänge zu einem "führenden Internet-Medien-Netzwerk" vorantreiben. Kurzfristig wolle das Unternehmen das mobile Internet und mittelfristig auch das Internet via Fernsehen als "neue Erlebniswelten" erschließen. Die Einführung von Bezahl-Angeboten bezeichnete Holtrop als Schritt in die richtige Richtung. "Die bisherigen Resultate bestätigen uns auf diesem Weg."

Aktionärsvertreter zufrieden

Eine wichtige Erlösquelle soll langfristig mit kostenpflichtigen Inhalten erschlossen werden. Auch mit der schnellen Breitbandtechnik will sich T-Online neue Geschäfte machen. "Ohne eine solide wirtschaftliche Grundlage lassen sich die massiven Investitionen in die technisch Infrastruktur des Internets auf Dauer nicht darstellen", sagte Thomas Holtrop auf der Hauptversammlung.

Chancen für eine weitere Expansion im Ausland sieht Holtrop vor allem in Ländern Osteuropas, wo die Deutsche Telekom bereits aktiv ist. Alle Chancen auf Wachstum würden systematisch analysiert. Derzeit ist T-Online neben Deutschland nur in Frankreich, Spanien, Österreich und der Schweiz aktiv.

Anders als bei der Konzernmutter einen Tag zuvor begrüßten Aktionärsvertreter die Strategie des Unternehmens: "Der Internetprimus erntet die Lorbeeren für seine glaubwürdigen Prognosen", sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Zufriedenheit auf allen Seiten - nun muss nur noch die Aktie steigen.

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