TV versus PC Adler oder Suppenhuhn

Nach dem gescheiterten Verkauf des Telekom-TV-Kabels scheint die Entwicklung ums interaktive Fernsehen stillzustehen. Bieten DSL-Angebote nun einen Ausweg aus der verfahrenen Situation? Werner Lauff von PwC rechnet nicht mit einer schnellen Lösung.

Um das deutsche Fernsehkabel ist es still geworden. Ein Käufer für die sechs brachliegenden Regionen ist nicht in Sicht. Die beiden existierenden Betreiber der Netzebene 3, Iesy und Ish, haben Startschwierigkeiten. Und die Entscheidung des Bundeskartellamts in Sachen Liberty Media hat deutlich gemacht, dass die Akteure zutiefst uneins sind.

Insbesondere die Fernsehsender fürchten, dass aktive Kabelnetzbetreiber selbst Programme anbieten, Pakete schnüren, eigene Plattformen aufbauen sowie neuen Anbietern die Tür öffnen. Damit würden sie den etablierten Programmen mehr Konkurrenz bescheren und ihren bislang direkten Zugang zum Zuschauer mediatisieren. Sie würden zum Gatekeeper der Fernsehwelt.

Damit ist auch interaktives Fernsehen über das Kabel für längere Zeit auf Eis gelegt. Dabei wäre dies die einzige Möglichkeit, die teure Aufrüstung zu finanzieren. Denn Kabeltelefonie stößt nicht in eine Marktlücke und schneller Internetzugang kommt angesichts der rasanten Entwicklung bei DSL wahrscheinlich zu spät. Das "Triple Play" des Kabels kann also allenfalls dort funktionieren, wo City-Carrier schon jetzt den Markt besetzen. So wird aus dem, was mal ein stolzer Adler sein könnte, ein schnödes Suppenhuhn.

Ist DSL die Alternative?

Die Alternative könnte sein, statt des Kabelnetzes das DSL-Netz für die Übertragung (das "Streamen") von Bewegtbildern zu nutzen. Rein technisch geht das; DSL hat genug Bandbreite, um Videos zu transportieren, wenn man sie nah genug am Nutzer ausstrahlt, also nicht "irgendwo ins Internet" stellt.

Doch das Endgerät, der PC, ist für das Betrachten von Spielfilmen, Shows, Serien und Erotik denkbar ungeeignet. Bleibt die Möglichkeit, Video-on-Demand-Dienste über DSL-Boxen auf den Fernseher ins Wohnzimmer zu bringen.

Dies wird bereits praktiziert, zum Beispiel in England durch Homechoice - und auch Hamburger Hansenet-Kunden können dies bald ausprobieren. Aber auch das ist nicht optimal.

Zum einen braucht man noch ein Gerät auf dem Fernseher. Zum anderen führt dies zu einer Zweigleisigkeit: Live-Fernsehen und "on demand" stehen dann beziehungslos nebeneinander. Der technische Bypass ist dann gelegt, aber der publizistische Nutzen ist fraglich. Wirklich spannend ist nur die Integration des guten alten Fernsehens mit neuer Interaktivität. Sie wird auf sich warten lassen.

Werner Lauff 

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.