M-Business Wo bleibt das große Geschäft?

Die Erwartungen an das Geschäft mit dem Handy waren hoch. Doch die bisherigen Zahlen enttäuschen und die Skepsis gegenüber UMTS wächst. Thorsten Wichmann von Berlecon Research analysiert die Zukunft des nächsten Mobilfunkstandards.

Mobile Business - meist verstanden als die kostenpflichtige Nutzung von Inhalten und speziellen Diensten über das Handy - ist deutlich hinter den hohen Erwartungen während des Internet- und Mobile-Booms zurückgeblieben. Die meisten Menschen nutzen ihr Handy nach wie vor hauptsächlich zum Kommunizieren, entweder per Anruf oder per SMS. Die Nutzung von WAP ist kaum der Rede wert, das höchste der Gefühle ist der gelegentliche Kauf eines neues Klingeltons.

Dabei gab es so viele kühne Pläne: Routenplaner, Touristeninformationen, Preisvergleichsdienste, Ticketverkauf, Comics, Horoskope, Fußballnachrichten und Börseninformationen sind nur ein paar der angedachten mobilen Dienste und Inhalte. Start-ups wollten auf deren Basis Firmen gründen und die Netzbetreiber ihre Einnahmen aus der Sprachtelefonie aufbessern. Japan mit i-mode & Co war das große Vorbild.

An der Realität vorbei

Im Rückblick haben die Beteiligten diese Chance vergeben, wo sie nur konnten: Mit "Internet auf dem Handy" sind falsche Erwartungen über die technischen Möglichkeiten geweckt worden mit zwangsläufiger Enttäuschung als Folge. Die Technik war und ist bei weitem nicht so ausgereift und stabil, wie sie es für Endkundendienste sein müsste. Abrechnungslösungen für Inhalte haben gefehlt, so dass kaum jemand kostenpflichtige Inhalte anbieten konnte. Die Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzen. Mehr Realismus hätte sicher zu einem besseren Gesamtergebnis geführt, wie Japan zeigt.

Wie geht’s jetzt weiter? Zwei Möglichkeiten stehen zur Auswahl: Die erste Strategie heißt überwintern, bis UMTS verfügbar ist. Sie setzt darauf, dass mit dieser Technik alles besser wird und sich die Probleme von allein lösen, zum Beispiel durch schnellere Datenübertragung und leistungsfähigere Geräte. Ein Blick nach Japan, wo die ersten Geräte der dritten Generation bereits im Einsatz sind, zeigt aber, dass neue Technologien vor allem erst mal neue Probleme mit sich bringen.

Langsames Lernen

Die zweite Strategie heißt langsam lernen. Sie setzt darauf, mit kleinen Teams sinnvolle Angebote zu entwickeln, genau zu beobachten, welche Dinge genutzt werden und welche nicht und die Angebote entsprechend anzupassen. Hinter dieser Strategie steckt die Einsicht, dass die meisten neuen Technologien sich mit wesentlich weniger revolutionärem Tempo verbreiten, als in den vergangenen Jahren gehofft. Kleinere Unternehmen, die langsam mit dem Markt wachsen, sind die passende Antwort auf diese Einsicht. Das ist zwar wesentlich bescheidener als noch vor einiger Zeit angemessen, aber von kühnen Börsenträumen und Visionen dürften die meisten derzeit ohnehin genug haben.

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