KPN Ein niederländisches Dilemma

Der Telekom-Konzern KPN steckt weiter tief in den roten Zahlen. KPNQwest und E-Plus treiben den Schuldenberg in die Höhe. Die Hoffung ruht nun auf dem mobilen Internetzugang i-mode.

Den Haag – KPN  meldet auch für das erste Quartal dieses Jahres einen deutlichen Verlust. Der Fehlbetrag liegt bei 348 Millionen Euro nach 539 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, hieß es. Verlustbringer ist der Kabelbetreiber KPNQwest . KPN hat auf das notleidende Unternehmen Abschreibungen in Höhe von 477 Millionen Euro vorgenommen. Der niederländische Konzern ist mit 40 Prozent an dem Kabelbetreiber, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Firma Qwest, beteiligt.

Wie andere Kabelbetreiber der Netzebene drei (Regionalnetze) steckt KPNQwest in einer Sackgasse. Zum einen stehen hohe Investitionssummen an, um das Kabelnetz auf einen technisch höheren Standard zu bringen, zum anderen haben die Geldgeber das Vertrauen in das Unternehmen verloren. Der Schuldenberg ist auf zwei Milliarden Euro angestiegen. Immer wieder wird über eine mögliche Insolvenz spekuliert.

In der vergangenen Woche schreckte KPNQwest die Finanzmärkte zudem mit der Mitteilung auf, die Liquiditätssituation habe sich trotz der vor Wochen angekündigten Maßnahmen zur Bilanzsanierung massiv verschlechtert. Haupteigner Qwest verweigerte unter anderem die Bereitschaft für eine weitere Finanzspritze. Nun hat KPN das Kabelunternehmen komplett abgeschrieben. Ein Schuldenabbau durch den Verkauf des Kabelbetreibers ist damit wohl kein Thema mehr, meint Franz Rudolf, Analyst bei der HypoVereinsbank gegenüber manager-magazin.de.

Optimistischer Ausblick

KPN sitzt damit im Dilemma. Das Unternehmen steht unter Druck, seinen Schuldenberg abzubauen. Zwar hat das Telekommunikations-Konzern den Fehlbetrag mit derzeit 15,4 Milliarden Euro bereits reduziert, doch ein weiterer Abbau ist erforderlich. Bis zum Jahresende soll der Schuldenberg auf 14,5 Milliarden Euro gesenkt werden.

Optimistisch stimmt das Unternehmen, dass der Umsatz im ersten Quartal gestiegen ist. Wie KPN mitteilte, setzte es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres insgesamt 3,26 Milliarden Euro um, nach 2,96 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg unter Einberechnung von Sonderaufwendungen um 18 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro. Analysten hatten mit etwa 963,9 Milliarden Euro gerechnet. Für das laufende Jahr erwartet KPN eine Steigerung des Ebitda um "mindestens 12 Prozent".

i-mode - ein ungewisser Faktor

"Die Schulden können vor allem durch den Verkauf von Beteiligungen reduziert werden", sagte der HypoVereinsbank-Analyst. Hier stecke KPN genau im Zwiespalt. So befinde sich der größte Teil der Schulden bei E-Plus.

Mittelfristig habe KPN zwar einen Verkauf von E-Plus ausgeschlossen. Doch mit der Mobilfunktocher wäre der Konzern mit einem Schlag den größten Teil seiner Schulden los. Allerdings verlöre KPN mit dem Verkauf zugleich auch seine Wachstumschancen. Denn E-Plus ist einer der Hoffungsträger für die niederländische Firma.

Die Mobilfunktochter startete im März zusammen mit dem japanischen Unternehmen NTT Docomo dieses Jahres den mobilen Internetzugang i-mode, an den sich hohe Erwartungen knüpfen. Seit dem Start hat das Unternehmen jedoch gerade mal 34.000 Geräte in Deutschland (26.000 Geräte) und den Niederlanden (7300 Geräte) verkauft. Bis Jahresende will KPN mehrere 100.000 i-mode-Abonnenten erreichen, bis Ende 2003 sollen es europaweit rund eine Million sein. Ob i-mode jedoch hier zu Lande an den Erfolg in Japan anknüpfen kann, ist fraglich. NTT Docomo zählt seit dem Start 1999 rund 30 Millionen i-mode-Kunden.

Uwe Bergheim, Vorsitzender der Geschäftsführer von E-Plus, zeigt sich jedoch zuversichtlich. "Wir sind sehr zufrieden mit i-mode. Alles verläuft nach Plan." Mit weiteren Marketingmaßnahmen will er die Nachfrage steigern.

Ungewisse i-mode-Zukunft

Rudolf hält sich mit einer Bewertung der Kundenzahl für i-mode zurück. "Wir haben zu wenig Informationen. Beispielsweise wissen wir nicht, wie die Kunden i-mode tatsächlich nutzen, und wie stark sie zur Umsatzsteigerung beitragen." Ein Händler von Fortis äußerte, er sei nicht begeistert von dem Resultat bei der neuen i-mode-Mobilfunktechnik. "Da habe ich mehr erwartet." Anders Bert Siebrand, Analyst von SNS Securities: Alle Sparten von KPN hätten besser als erwartet abgeschnitten. Zudem hätten die Kostensenkungsmaßnahmen größere Auswirkungen gezeigt als erwartet. Auch die Kosten für die Einführung der i-mode-Mobilfunktechnik seien niedriger als befürchtet.

Nachdenklich dürfte jedoch die sinkende Kundenzahl von E-Plus stimmen. Ende März 2002 zählte das Unternehmen nur 7,334 Millionen Kunden, Ende des vergangenen Jahres waren es noch 7,481 Millionen. Grund für die sinkende Kundenzahl sei vor allem ein Rückgang der Pre-Paid-Kunden, heißt es. Bergheim ist jedoch mit der Kundenentwicklung zufrieden. "Wir haben uns stabil gehalten." Während die Zahl der Pre-Paid-Kunden sinke, sei die Zahl der Vertragskunden gestiegen.

"KPN muss sich entscheiden", resümiert Franz Rudolf, "bislang fehlt eine Präzesierung der Strategie welches Gewicht der Mobilfunk künftig erhalten soll." Spiele er eine große Rolle, müsse KPN investieren. Und das würde den Ertrag wieder stärker belasten.

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