Übersetzungsdienst Treffsicherer Sprachendienst

Hilfe bei Fremdsprachen. Mittlerweile gibt es endlich Angebote, die beim Übersetzen auch auf den Sinn achten.

Frankfurt/Main - Der Traum von der weltweiten Verständigung ist so alt wie der Turmbau von Babel. Die Überwindung der Sprachgrenzen mit Hilfe der Computerlinguistik kommt aber nur langsam voran. Hoffnung macht da eine neue Software des Münchener Unternehmens Linguatec Sprachtechnologien, der "Personal Translator".

Einfache Übersetzungsdienste im Internet wie der "Babelfish" von Altavista haben die Technik der Übersetzung am Computer oft genug zur Lachnummer gemacht. Die Wort-für-Wort-Übersetzung ist meist wenig hilfreich, da sich der Sinn einer Aussage erst im Zusammenhang erschließt. Diesen inhaltlichen Kontext berücksichtigt der Personal Translator mit neuen Algorithmen (Befehlsabfolgen), die das syntaktische und semantische Umfeld von Begriffen berücksichtigen.

Wenn bei "Babelfish" ein Regisseur einen neuen Film dreht, wird als Übersetzung vorgeschlagen: "The director turns a new film." Klar, "drehen" übersetzt das Wörterbuch mit "to turn". Aber leider ist dies nur eine von mehreren Übersetzungsmöglichkeiten. Der Power Translator erweist sich da als treffsicherer: "The director shoots a new film." Und wenn sich die Erde um die Sonne dreht, wird das bedeutungstragende Verb weder mit "to turn" noch mit "to shoot" übersetzt, sondern mit einem korrekten "The earth revolves around the sun."

Unüberwindbare Probleme

Solche "Homographen" - das sind Begriffe mit identischer Schreibweise und unterschiedlicher Bedeutung - haben der maschinellen Übersetzung bisher scheinbar unüberwindbare Probleme bereitet. Um sie zu lösen, müssen die Begriffe des Wörterbuchs mit weiteren Begriffen gekoppelt werden, die in ähnlichen Zusammenhängen auftauchen und dann darüber entscheiden, welche Übersetzungsvariante die Software wählt.

Solange solche Wortkombinationen nicht fest verdrahtet sind, kommt auch der Power Translator ins Schwitzen: Wenn sich etwa der Solist an den Flügel setzt, greift die Software zunächst zum "wing", weil sie in diesem Satz nicht den Unterschied zum Flügel des Vogels erfasst. Dabei kennt das integrierte Wörterbuch sehr wohl den Begriff des "grand piano", der dem Sachgebiet Musik zugeordnet ist.

Software lernt vom Anwender

Wenn es von vorn herein um eine Übersetzung aus diesem Themenbereich geht, kann dies in den Optionen des Programms gezielt ausgewählt werden - dann findet der Power Translator auf Anhieb das richtige Piano.

Dieses Beispiel zeigt, dass es bei der maschinellen Übersetzung auch um einen Lernprozess zwischen Anwender und Software geht. Je intensiver das Programm genutzt wird, desto besser die Ergebnisse. Unterstützt wird dies vom Satzarchiv des Programms, in dem Satzpaare - jeweils Quell- und Zieltext einer Übersetzung - gespeichert und bei ähnlichen Aufgaben dann herangezogen werden. Damit sich da keine Fehler einschleichen, sollten natürlich nur korrekte Übersetzungen in das Satzarchiv eingehen.

In einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation ließ Linguatec ermitteln, dass die Nutzung Personal Translator eine messbare Zeitersparnis bringt: Beim Übersetzen von Sachtexten und Geschäftsbriefen waren die Testkandidaten mit Hilfe der Übersetzungssoftware um 41,4 Prozent schneller als die Vergleichsgruppe ohne diese Hilfe.

Hilfe für Sprachunkundigen

Die Basis der Software ist ein Wörterbuch mit 620.000 Wörtern, das im Vergleich zur Vorgängerversion vor allem um Begriffe aus Wirtschaft und Technik erweitert wurde. Außerdem steht ein Idiomatikwörterbuch mit 35.000 Redewendungen zur Verfügung.

Mit Hilfe des Zusatzprogramms PT Web können ganze Web-Seiten übersetzt werden - die Ergebnisse sind je nach Sprachstil mehr oder weniger zufriedenstellend, geben dem Sprachunkundigen aber zumindest eine Vorstellung, worum es da geht. Die integrierte Sprachausgabe - hier hat Linguatec eine Technik von IBM lizensiert - hilft bei der Aussprache unbekannter Wörter. Schließlich liegt der Programmversion "Office plus" auch die Texterkennungssoftware OmniPage Pro für das Einscannen von Texten bei, die dann anschließend umgehend übersetzt werden können.

Langenscheidt arbeitet an Angebot

Mit dem Personal Translator hat der Münchener Software-Spezialist das bislang aktuellste Angebot für automatische Übersetzungen vorgelegt. Der Konkurrent Langenscheidt will seine Übersetzungssoftware T1 zur Frankfurter Buchmesse im Oktober erneuern.

Nachdem der bisherige Software-Partner Sail Labs unter dem Dach der belgischen Firma Lernout & Hauspie in Konkurs gegangen ist, musste sich Langenscheidt für die Version 5.0 seines Programms einen neuen technischen Partner suchen. Um wen es sich dabei handelt, ist noch nicht bekannt. Fest steht aber bereits, dass nach Englisch (159 Euro in der Standard- und 299 Euro in der Professionalausgabe), Französisch und Russisch jetzt auch Spanisch hinzu kommt.

Der Personal Translator kostet für Englisch und Französisch in der leistungsfähigsten Version "Office Plus" jeweils 249 Euro. Die "Home"- und "Office"-Versionen zu Preisen von 49 und 99 Euro haben einen reduzierten Wörterbuch- und Funktionsumfang. Als Arbeitsumgebung wünscht sich der elektronische Übersetzungsknecht einen PC mit Windows, Pentium-Prozessor und mindestens 32 MB Arbeitsspeicher.

Peter Zschunke, ap

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