Premiere Kirch will Murdoch nicht auszahlen

Dem Kirch-Sender rennt die Zeit davon. Jetzt will Murdoch seinen Anteil früher verkaufen.

München/London - Der angeschlagene Kirch-Bezahlsender Premiere hat nur noch wenige Wochen Zeit, für sein Überleben einen Überbrückungskredit zu bekommen. "Es stimmt, dass wir unter Zeitdruck stehen", sagte Premiere-Chef Georg Kofler in einem Zeitungsinterview am Wochenende, verbreitete aber gleichzeitig Optimismus: "So schnell gehen die Lichter hier nicht aus." Unterdessen spitzte sich der Streit mit dem Medienmogul Rupert Murdoch um dessen Milliarden-schwere Optionsforderung an Kirch zu.

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Premiere-Dachgesellschaft Kirch Pay TV, Joseph Füchsl, bezifferte den kurzfristigen Finanzbedarf in der mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Dieser werde von Mitte Juni an benötigt.

Kirch will Murdoch nicht auszahlen

Kirchs Dachgesellschaft TaurusHolding habe die Ausübung von Murdochs Option abgelehnt, seinen Anteil von 22 Prozent an Premiere für 1,7 Milliarden Euro an die Münchener zurückzugeben, wie sein britischer Sender BSkyB am Montag mitteilte. Die Kirch-Seite gehe davon aus, dass die Bedingungen für die Option nicht gegeben seien, hieß es.

Die Option wäre eigentlich erst im Oktober fällig geworden. Murdoch hatte allerdings dem Vernehmen nach unter Hinweis auf den Insolvenzantrag der Bezahlsendersparte KirchPayTV die Option schon jetzt geltend gemacht. Bei Murdochs Einstieg war vereinbart worden, dass er den Anteil zurückgeben kann, wenn der Bezahlsender bis Herbst 2002 bestimmte Ziele verfehlt.

Kirch bereits im Options-Streit mit Springer

Kirch befindet sich bereits in einem Options-Streit mit dem Axel Springer Verlag. Springer besteht auf dem Recht, seinen Anteil an Kirchs Senderfamilie ProSiebenSat.1 für rund 770 Millionen Euro zurückzugeben. Kirch bestreitet die Option und macht aus Sicht der Münchener ungeklärte rechtliche Probleme geltend.

Nach Aussage Koflers gewinnt Premiere derzeit täglich 1000 Abonnenten hinzu. Gleichzeitig sei die Kündigungsquote binnen eines halben Jahres von 23 auf 16 Prozent zurückgegangen, sagte Kofler der "Welt am Sonntag". Trotz der bevorstehenden Fußball-WM, deren Spiele bei Premiere Übertragen werden, sei jedoch darüber hinaus nicht mit einem großen Ansturm zu rechnen. "Unsere finanziellen Spielräume sind zur Zeit nun mal sehr eng." Dies lasse keine ausgedehnte Werbekampagne zu.

Premiere-Chef will neuen Geschäftsplan vorlegen

Zukünftig sollen durch Einsparungen die jährlichen Kosten um 500 bis 600 Millionen Euro gesenkt werden. Kofler ist zuversichtlich, bis Mitte Juni einen neuen Geschäftsplan vorlegen zu können. Damit könne dann auch die dringend notwendige Zwischenfinanzierung stehen.

Fußball-Liga will über TV-Vertrag entscheiden

Unterdessen will die Deutsche Fußball-Liga (DFL) spätestens bis zum 15. Juni die Entscheidung über einen neuen TV-Vertrag treffen. Der laufende Vertrag mit der zahlungsunfähigen KirchMedia, aus dem noch 70 Millionen Euro für die abgelaufene Spielzeit ausstehen, soll bis Mitte Juni nicht gekündigt werden.

Erster Ansprechpartner für einen neuen Kontrakt sind trotz des Insolvenzantrags die KirchMedia sowie Premiere, die das Geschäft über eine neue Projektgesellschaft abwickeln würden. KirchMedia und Premiere bieten einen Vertrag mit zwei Jahren Laufzeit und dreijähriger Option mit einem geschätzten Volumen von 600 Millionen Euro.

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