Napster Konkurs als Zwischenspiel

Bertelsmann übernimmt die Musiktauschbörse und will den Pleitekandidaten in einen gebührenpflichtigen Abo-Dienst verwandeln. Die erst vergangene Woche zurückgetretene Napster-Führungsriege ist wieder im Amt.

Redwood City - Der Medienkonzern Bertelsmann wird die Vermögenswerte der schwer angeschlagenen US-Musiktauschbörse Napster übernehmen. Bertelsmann will den Napster-Gläubigern acht Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, teilten Bertelsmann und Napster am Wochenende mit. Bertelsmann hatte Napster zuvor bereits 85 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um die Gesellschaft am Leben zu erhalten.

Bertelsmann will Napster in einen gebührenpflichtigen Abonnement-Dienst verwandeln. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg, der Napster wahrscheinlich in absehbarer Zeit erst einmal zum Konkursrichter führen wird. Mit diesem Zwischenspiel dürfte die Klage der großen Musikfirmen gegen Napster wegen Urheberrechtsverletzungen vorerst auf Eis gelegt werden.

Napster-Führung kehrt zurück

Napster-Chef Konrad Hilbers, der erst in der vergangenen Woche nach geplatzten Kaufverhandlungen mit dem Napster-Verwaltungsrat zurückgetreten war, ist jetzt wieder zu Napster zurückgekehrt. Napster-Gründer Shawn Fanning, der mit Hilbers und fast der gesamten Führungsmannschaft ausgeschieden war, kehrt mit seinen Kollegen ebenfalls zu Napster zurück. Hilbers ist jetzt auch Vorsitzender des Napster-Verwaltungsrates geworden.

Noch in dieser Woche drohte Napster das endgültige Aus. Bertelsmann hatte die Zahlung von neuen Geldern an Napster eingestellt. Mit dem Ausscheiden der gesamten Führungsmannschaft und dem Versiegen der Bertelsmann-Gelder blieb dem Napster-Verwaltungsrat keine andere Wahl, als sich mit Bertelsmann zu einigen. Hilbers sprach von einem "richtigen und günstigen Deal" für Napster.

Kreise: Napster-Konkursantrag wahrscheinlich

Nach Darstellung informierter Kreise wird Napster wahrscheinlich einen Konkursantrag im Rahmen Kapitel Elf des US-Konkursrechtes stellen, der eine Weiterführung der Geschäfte ermöglicht. "Bertelsmann verstand unsere Vision als sie erstmals bei uns investierten", erklärte Fanning. Er hatte als Student Napster gegründet und rasch groß gemacht. Fanning will jetzt mit den anderen Napster-Mitarbeitern den neuen Dienst fertig stellen und zum Laufen bringen, kündigte er an.

Napster werde Geschäftsmodelle finden, die Urheberrechte respektieren, Künstler entlohnen und den Konsumenten Unterhaltungswerte geben, erklärte Joel Klein, der Chef der amerikanischen Tochter Bertelsmann Inc.. Bertelsmann sei das richtige Unternehmen, um Napster in die Zukunft zu bringen, betonte Napster-Verwaltungsratsmitglied Hank Barry.

Ohne Musiklizenzen geht es nicht

Napster muss aber für seinen neuen kostenpflichtigen Musikdienst erst Musiklizenzen von den großen Musikfirmen bekommen. Ob sich die anderen großen Musikfirmen AOL Time Warner, Vivendi Universal, Sony und EMI darauf einlassen werden, ist keineswegs sicher. Sie und BMG, die Musiksparte von Bertelsmann, hatten Napster 1999 wegen Urheberrechts-Verletzung verklagt, und hatten Recht bekommen.

Darauf war Napster im vergangenen Jahr vom Netz gegangen. Inzwischen sind aber andere kostenfreie Musiktausch-Netze wie Kazaa mit großem Erfolg in die Breche gesprungen. Es ist keineswegs sicher, dass Napster oder andere kostenpflichtige Musikdienste wie MusicNet und Pressplay angesichts mehrerer anderer kostenfreier und dezentralisierter Musiktausch-Börsen wirklich Erfolg haben werden. Napster hatte zu Spitzenzeiten 67 Millionen Nutzer, die untereinander kostenlos Musikstücke tauschten.

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