ProSiebenSat.1 Koflers Rettungsbestreben

Zerstrittene Gesellschafter. Um Neun Live zu retten, soll die Sendergruppe die Mehrheit übernehmen.

Hamburg – Die Krise der Kirch-Gruppe erschüttert ein weiteres Geschäftsfeld. Dieses Mal ist es nicht der Pay-TV-Sender Premiere, der Sorgen bereitet, sondern der "interaktive" Sender Neun Live – genauer: die Betreibergesellschaft Euvia Media.

Um das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten, hat sich nämlich Premiere-Chef Georg Kofler, der an Euvia Media zusammen mit Leo Kirch-Sohn Thomas Kirch beteiligt ist, einen Rettungsplan ausgedacht. Danach soll die börsennotierte ProSiebenSat.1 Media AG die Mehrheit an Euvia Media übernehmen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

ProSiebenSat.1 ist bereits mit 48,4 Prozent an Euvia Media beteiligt, 48,6 Prozent liegen in den Händen von Kofler, Kirch und Hot Networks. Letzteres ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Unternehmen Home Shopping Network von Barry Diller sowie Kofler und Thomas Kirch.

Amerikaner wenden sich ab

Das Problem ist, dass Diller nicht mehr zahlen möchte. Die Amerikaner haben die Zahlungen für Euvia Media im Mai ausgesetzt, heißt es im SPIEGEL. Wie soll es weitergehen?

Kofler, der Neun Live für eine lohnende Investition hält, verhandelt derzeit bereits über die Kirch-Kofler-Mehrheit an Hot Networks angeblich unter anderem mit Bertelsmann. Gleichzeitih sucht Kofler fieberhaft nach einer Lösung für Euvia Media. Die Zeit drängt. "Wenn in dieser Woche kein Geld kommt", zitiert das Blatt einen leitenden Mitarbeiter bei Euvia Media, "müssen wir Insolvenz anmelden".

Experten halten das Geschäft dem SPIEGEL zufolge für rechtlich bedenklich, aber möglich. Den endgültigen Eklat mit seinem Hot-Networks-Gesellschafter Diller kalkuliere Kofler offenbar ein, hieß es weiter. Kofler lässt sich davon nicht beirren: "Das Geschäft entwickelt sich sensationell, allein in der ersten Mai-Woche hatten wir fünf Millionen Anrufe, das ist für jeden Gesellschafter eine Freude."