Wie funktioniert eigentlich Inhaltsübermittlung?

Wenn viele Nutzer auf Webinhalte zugreifen, streikt schnell der Server. Spezielle Dienstleister können helfen.
Von Thorsten Höge

Wenn Henning Kagermann über das Firmenintranet zu seinen Mitarbeitern spricht, sollte er deutlich zu verstehen sein. Der SAP-Chef besitzt eine klare Aussprache. Aber das allein reicht nicht aus.

Die Übertragung von Videoaufnahmen via Internettechnologie weist nämlich einige technische Tücken auf. Wenn die Leistung des eingesetzten Servers und die Leitungskapazität nicht groß genug sind, dann ruckeln die Bilder und Kagermann hört sich an, als würde er nuscheln.

Mit diesem Problem haben keineswegs nur mitteilungsbedürftige Vorstände zu kämpfen. Immer häufiger gehört die Übertragung von Videofilmen zum selbstverständlichen Bestandteil von Onlineauftritten: Unternehmen nutzen das Internet für Fortbildungsvideos von Seminaren oder Kongressen. Medienanbieter wie RTL beglücken Netznutzer mit online gestellten TV-Beiträgen vom Weltcup im Skispringen. Und die Deutsche Bank polt gerade ihr komplettes Mitarbeiterfernsehen von Satelliten-TV auf Internettechnik um.

Das Problem

Die Ursache dafür, dass die Videos beim Internetnutzer häufig nur mit ruckelndem Bild und verwaschenem Ton ankommen, ist simpel: Firmen stellen Angebote wie Vorstandsansprachen häufig nur auf einem einzigen zentralen Server zum Abruf bereit. Doch dieser Rechner ist sehr schnell überlastet, wenn von überall auf der Welt Mitarbeiter und Kunden auf das Video zugreifen. Meist können nur ein paar hundert so genannte Streams (einzelne Abrufe des Videoclips) gleichzeitig übertragen werden. Wollen mehr Surfer zum gleichen Zeitpunkt den Film sehen, leidet die Übertragungsqualität.

Die Lösung

Wie viele andere Unternehmen setzt SAP bei der Übertragung der Firmenvideos auf einen Content Distribution Service. Hinter dem Anglizismus verbergen sich Dienstleister, die für die ruckelfreie Verteilung von Inhalten über das Web sorgen sollen.

Der Marktführer in diesem Bereich heißt Akamai Technologies. Die wichtigsten Wettbewerber sind Digital Island und Inktomi. Alle drei Unternehmen stammen aus den USA.

Akamai, 1998 gegründet, hat weltweit 11 600 Server in den Rechenzentren von Internetprovidern untergestellt. Auf diesen Rechnern lagert Akamai im Auftrag seiner Kunden die Inhalte von Webseiten zwischen.

Der Vorteil: Weil die Inhalte bei Akamai auf vielen Servern gleichzeitig gespeichert werden, kommt es nicht so leicht zu Engpässen wie bei der Lagerung auf einem zentralen Rechner. Die Server der Content-Distributoren sind zudem geografisch so verteilt, dass die meisten User das gewünschte Angebot von einem Rechner in ihrer direkten Umgebung abrufen können. Das verringert die Übertragungszeiten.

Was kostet es?

Mit Hilfe eines Content Distribution Services lassen sich mehrere hunderttausend Streams gleichzeitig abrufen. Kunden zahlen diesen Dienstleistern entweder einen fixen Betrag für die Übertragung einer einmaligen Veranstaltung. Bei Akamai kostet es zum Beispiel 1500 Euro, wenn ein Film 500-mal gleichzeitig abgerufen werden soll.

Oder die Unternehmen leisten sich ein Abonnement bei einem Content Distribution Service. Dieses Modell ist dann sinnvoll, wenn die Inhalte über längere Zeit auf den Servern verbleiben sollen.

Wenn Kagermann jetzt noch nuschelt, liegt es tatsächlich an seiner Aussprache.

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