Kabelnetz Stillstand und Resignation

Die Kabelnetz-Branche steckt nach dem geplatzten Deal zwischen Telekom und Liberty in der Krise. Private Anbieter wie Ish und Iesy hadern mit dem schwierigen Geschäftsumfeld.

Hamburg - Noch vor wenigen Monaten waren Kabelnetze der Stoff, der die Medienmanager zum Träumen brachte. Die Integration von Unterhaltung, Interaktion und Kommunikation versprach neue Geschäftsfelder mit satten Gewinnen. Heute ist von der Kabel-Euphorie kaum noch etwas geblieben. Die Branche versinkt im Pessimismus.

Beispielhaft für die aktuelle Misere ist der Kabelnetzbetreiber Ish. Hinter dem Unternehmen steht der US-Investor Callahan Associates. Ish versorgt 6,4 Millionen Haushalte in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Gerade in NRW allerdings steht das Unternehmen unter Beschuss. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) bringen wiederholte Bildausfälle und eine angekündigte Preiserhöhung zum ersten Mai vor allem die Kunden im Kölner Raum auf die Barrikaden.

Nachdem in der Domstadt das Bild wiederholt zur besten Sendezeit ausfiel, richtete das Regionalblatt "Express" ein eigenes "Ish-Wut-Telefon" für die gefrusteten Endkunden ein. Das Unternehmen selbst begründet den technischen Totalausfall mit umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen, um demnächst auch Internet- und Telefonzugang über das Kabelnetz anzubieten.

Die Negativ-Publicity kommt für Ish zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zuletzt musste 570 der insgesamt 2400 Mitarbeitern aufgrund des schwachen Kundenwachstums gekündigt werden. Laut "FAZ" schüttelt die Branche unterdessen den Kopf über das krisengeplagte Unternehmen. Die Rede ist von Planungsfehlern und Dilettantismus.

Branche zwischen Resignation und Hoffnung

Die Probleme bei Ish sind symptomatisch für die ganze Branche. Auch der Kabelanbieter Iesy, der in Hessen aktiv ist, musste nach Presseberichten seine Verbreitungsprognosen nach unten korrigieren. "Der Markt ist schwierig, es herrscht Verunsicherung", beschreibt Sprecherin Alexandra Jordans gegenüber manager-magazin.de die Lage. Trotzdem geben sich die Verantwortlichen bei Iesy kämpferisch. Der Kabel-Ausbau in Hessen soll weiter vorangetrieben werden.

Während die kleinen Unternehmen stöhnen, hält sich die Deutsche Telekom als Eigentümer der restlichen Kabelnetze im Bundesgebiet mit dem Ausbau zurück. Nachdem der Verkauf an das US-Unternehmen Liberty Media im Februar am Widerstand des Bundeskartellamtes scheiterte, sehen die Verantwortlichen beim Rosa Riesen keinen Grund für ein weiteres Engagement. Der Schwerpunkt liegt für die Telekom in der DSL-Verbreitung, derweil bleibt das hauseigene Kabelnetz auf der Strecke. Neue potenzielle Abnehmer sind derzeit nicht in Sicht.

Schuld ist der geplatzte Liberty-Deal

Schuld ist der geplatzte Liberty-Deal

Das gescheiterte Liberty-Geschäft ist nach Ansicht von Branchenkennern maßgeblich für die schlechte Stimmung auf dem Kabelmarkt verantwortlich. Seit dem Scheitern macht sich Ernüchterung breit. Norbert Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, sprach gegenüber manager-magazin.de von einer "verhalten resignativen" Stimmung.

Nachdem Liberty als "Retter" ausfällt, könnte laut Schneider eine abgestimmte Aktion von Wirtschaft und Politik für neue Perspektiven sorgen. Nur: Derartige Ansätze sind derzeit nicht sichtbar.

Dennoch ist das Kabel-Business nicht gänzlich abgeschrieben. Vergangene Woche kündigte die Deutsche Bank an, die eigenen bei der Tochter Telecolumbus gebündelten Netzanteile mit denen der Telekom zu einem Verkaufspaket zusammenzuschnüren. Damit machen sich die Banker daran, ein Investitionshemmnis zu überwinden, was so nur auf dem deutschen Kabelmarkt vorhanden ist.

Bei den Anteilen der Telecolumbus handelt es sich um Hausanschlüsse. Die sind in dem bisherigen Angebot der Telekom nicht integriert, müssten also von einem potenziellen Käufer zusätzlich erworben oder gemietet werden. Mit dem Versuch, Hausanschlüsse und Kabelnetz gemeinsam anzubieten, macht sich die Deutsch Bank daran, attraktive Rahmenbedingungen für potenzielle Interessenten zu schaffen. Zwar sind auch die Anteile der Telecolumbus am Gesamtmarkt begrenzt, dennoch geht die Initiative in die richtige Richtung.

Auch ein anderer Umstand gibt Anlass zur Hoffnung. Am Montag war in den Zeitungen zu lesen, Liberty-Chef John Malone hätte Interesse an Teilen des angeschlagenen Kirch-Konzerns bekundet. Demnach hat der Kabel-Tycoon den deutschen Medienmarkt nicht völlig abgeschrieben. Ein Rückkehr ist nicht ausgeschlossen.