Vivendi Universal "Gezielte Manipulation"

Wahlbetrug bei der Hauptversammlung - die Aktionärsbeschlüsse sollen annulliert werden.

Paris - Vivendi-Chef Jean-Marie Messier wittert einen Wahlbetrug bei der für ihn unglücklich verlaufenen Hauptversammlung der vergangenen Woche. Das Medienunternehmen plant eine Untersuchung und möchte die Beschlüsse des Aktionärstreffens annullieren lassen.

Vivendi Universal  will am Montag rechtliche Schritte wegen vermuteten Wahlbetrugs bei der jüngsten Jahreshauptversammlung einleiten. Der Vorstandschef Jean-Marie Messier sprach von "gezielter Manipulation".

Nach Angaben des Konzerns lassen Probleme beim elektronischen Wahlsystem darauf schließen, dass bei den Abstimmungen in betrügerischer Absicht manipuliert wurde. Der Konzern sei vor allem wegen der ungewöhnlich hohen Stimmenthaltungsrate von 20 Prozent misstrauisch geworden.

Management will neu abstimmen lassen

Das Unternehmen teilte mit, das Führungsgremium werde am Montag zusammenkommen, um einen Termin für eine neue Hauptversammlung Anfang Juni in Paris anzusetzen. Damit solle den Aktionären Gelegenheit gegeben werden, erneut über die Punkte abzustimmen, die ihnen auf der beanstandeten Hauptversammlung am 24. April vorgelegt worden waren.

Aktionärsschützer kritisierten Messiers Absichten. "Die Entscheidung einer Hauptversammlung ist souverän und kann nicht einseitig vom Vorstandschef annulliert werden", so Colette Neuville vom Aktionärsverband Adam. Die Entscheidungen seien bindend, bis Messier vor Gericht Beweise erbringe.

Messier scheiterte mit mehreren Anliegen

Dem Abstimmungsergebnis zufolge hatten die Aktionäre dem umstrittenen Unternehmenschef Messier ihre Zustimmung zu einem Aktienoptions-Plan verweigert, der nach den Worten Messiers hoch qualifizierte Manager im Unternehmen halten sollte. Ferner verwehrten die Eigentümer Messier eine Kapitalerhöhung ohne Vorkaufsrecht für Aktionäre.

Anteilseigener, deren Investitionen im Zuge der Expansion des Konzerns nach Hollywood in den vergangenen zwei Jahren rund 70 Prozent an Wert verloren hatten, kritisierten auf der Versammlung die Strategie des Unternehmens und forderten den Rücktritt Messiers.

Der Vivendi-Chef hatte in Frankreich kürzlich einen nationalen Aufruhr verursacht, als er Pierre Lescure, den langjährigen Chef seines Pay-TV-Senders Canal Plus, gefeuert hatte.