ProSiebenSat.1 Gewinn schrumpft

Die Werbeflaute hinterlässt ihre Spuren. Der Gewinn bricht weiter ein. Doch die profitable Fernsehgruppe verliert nicht an Attraktivität. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner will seinen Anteil an ProSiebenSat.1 deutlich erhöhen.

München – Keine guten Zeiten für die zum Kirch-Imperium gehörende Sendergruppe ProSiebenSat.1 . Die Werbeflaute macht dem Unternehmen auch im ersten Quartal 2002 zu schaffen.

Der Gewinn des TV-Konzerns ist wegen der anhaltenden Werbeflaute weiter eingebrochen. Das Ergebnis vor Steuern sank von 28,6 auf 8,5 Millionen Euro. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz im ersten Quartal von 513,7 auf 489,3 Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr waren Umsatz und Ergebnis von ProSiebenSat.1 zurückgegangen.

Schleppender Werbemarkt

Für das laufende Jahr zeigt sich Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1, skeptisch. "Erst im vierten Quartal, das im Fernsehgeschäft mit großem Abstand das wichtigste ist, kann mit einer deutlichen Erholung gerechnet werden." Niemand könne voraussagen, wie sich der Werbemarkt genau entwickeln wird. Schlimmstenfalls verzeichne der Werbemarkt ein Minus von bis zu fünf Prozent.

Beim Ertrag rechnet das Unternehmen für 2002 aber dennoch mit einem Ebitda auf Vorjahresniveau. Ähnliches gelte auch für das Vorsteuerergebnis – vorbehaltlich von Sondereffekten, so Rohner. Dafür sollen auch sämtliche Aktivitäten der Sender überprüft und optimieren werden.

Was passiert mit den Filmrechten?

Ungemach könnte auf die in ProSiebenSat.1 gebündelten Sender Sat.1 und Kabel 1 zukommen. Die "Welt am Sonntag" berichtet, dass die Sender Probleme bei der Filmversorgung bekommen könnten. Sollte der Pay-TV-Sender Premiere aus der Mediengruppe herausgelöst werden, müssten die Sender mit den Hollywoodstudios über die Filmrechte nachverhandeln. Bisher habe Premiere den überwiegenden Teil der Zahlungen für die Filmrechte getragen.

Springer will mehr

Die weitere Entwicklung von ProSiebenSat.1 steht im engen Zusammenhang mit der insolventen KirchMedia. Zwar gehört die profitable Sendergruppe nicht zur Insolvenzmasse des Mehrheitseigners KirchMedia, doch die Branche spekuliert, dass sich die Gesellschafterstruktur von ProSiebenSat.1 ändern könnte.

Rohner rechnet trotz aller Berichte allerdings nicht mit einem Wechsel der Gesellschaftern. Das Magazin "Focus" berichtet beispielsweise, dass der Axel Springer Verlag seine Beteiligung an ProSiebenSat.1 erhöhen wolle. Das Blatt zitiert Vorstandschef Mathias Döpfner: "Wir wollen unsere bisherigen 11,5 Prozent aufstocken." Angesteuert sei ein Anteil von 25 Prozent. Auf der anderen Seite erwägt der Verlag der "Süddeutschen Zeitung" zufolge, KirchMedia auf Schadenersatz in Höhe von 530 Millionen Euro zu verklagen. Denn das Verlagshaus hatte ursprünglich die Verkaufsoption über seine ProSiebenSat.1-Anteile wahrnehmen wollen, Kirch kann jedoch nicht zahlen.

Neuester Kandidat im Ratespiel um potenzielle Investoren für die Kirch-Unternehmen ist der britische Investmentfonds Hicks, Muse, Tate and Furst. Das meldet die britische Tageszeitung "The Times". Angeblich führe der Fonds-Gesellschafter Philippe von Stauffenberg Gespräche über eine möglichen Übernahme von Anteilen an ProSiebenSat.1.

Rohner rechnet nicht mit Verkauf

Anders als die Medienhäuser will Rohner jedoch nichts von einem kompletten Verkauf der Anteile wissen, die KirchMedia an ProSiebenSat1 hält. "Ich gehe davon aus, dass es für die insolvente KirchMedia eine Auffanggesellschaft geben wird." In einer derartigen Gesellschaft machten die ProSiebenSat.1-Anteile Sinn. Zwar meldeten sich immer wieder Interessen, wie in Zeitungsberichten zu lesen sei, jedoch sei ihm nicht bekannt, dass Gespräche über einen Verkauf der ProSiebenSat.1-Anteile geführt würden, sagte Rohner.