Kirch-Pleite Wem gehört die Fußball-WM?

Leo Kirch hat sich den Lebensabend vergoldet. Er verdient immer noch an der Vermarktung der Weltmeisterschaft 2002 und 2006. Nun sorgt der Transfer der WM-Rechte in die Schweiz für Verwirrung. Wer profitiert von der Nacht-und-Nebel-Aktion?

Im Internet wirbt das Schweizer Kanton Zug mit saftigen Wiesen, eindrucksvollen Bergen und niedrigen Steuern. Vor allem Letzteres macht die Region von jeher zu einem beliebten Wirtschaftsstandort, auch für Leo Kirch. Anfang März verschmolz der Medienunternehmer die Sport-Marketing Agenturen CWL Telesport und Prisma zur Kirch Sport AG. Die neue Agentur mit Hauptsitz in Zug übernimmt seitdem die Vermarktung von Sportrechten.

Nach der Insolvenz der KirchMedia geriet der Schweizer Sportrechte-Ableger unversehens ins Zentrum des öffentlichen Interesses. In einer Blitzaktion wurden die Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 aus der KirchMedia gelöst und auf die Kirch Sport AG übertragen. Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, und Kirch-Vize Dieter Hahn hatten den dubiosen Deal noch vor Ostern in die Wege geleitet.

Das Geschäft war nicht unumstritten; der Handel mit WM-Rechten gehörte zu den wenigen lukrativen Geschäftsbereichen im maroden Medienimperium. Für internationalen Fußballturniere geben TV-Sender gerne viel Geld aus. Kaum ein anderes Fernsehereignis erzielt ähnlich hohe Einschaltquoten wie ein WM-Finale.

Für die Turniere 2002 und 2006 erhält die Fifa von Vermarkter Kirch eine Garantiersumme von 2,8 Milliarden Schweizer Franken. Alle weiteren Erlöse teilen sich die Vertragspartner. Die Weltmeisterschaft 2002 wurde bereits mit Gewinn verkauft. Für den Weltcup in Deutschland vier Jahre später wird mit einem noch größeren Plus gerechnet. Beide Seiten profitieren von dem Funktionieren dieser Geschäftsbeziehung.

Horrorszenario für Fifa-Chef Blatter

Horrorszenario für Joseph Blatter

Insofern wundert es nicht, dass sich Kirch und Fifa so schnell handelseinig wurden. Der Vertrag über die Vermarktung sah vor, dass die Rechte im Falle der Insolvenz von Kirch an den Weltfußballverband zurückgefallen wären. Ein Horror-Szenario für Joseph Blatter.

Knapp zwei Monat vor dem WM-Auftaktspiel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hätte sich die Fifa einen neuen Vermarkter suchen müssen. Nachverhandlungen von bereits geschlossenen Verträgen mit einzelen TV-Sendern wären die Folge. "Der Transfer nach Zug war die einzige Möglichkeit, zu verhindern, dass die Fifa die Veträge kündigt", sagte Dominik Schmid, bei der Kirch Sport AG verantwortlich für das Fifa-Geschäft, gegenüber manager-magazin.de. Dies sei der Grund für die allgemeine Zustimmung zu dem Verfahren.

Verunsicherung bei ARD und ZDF

Was aber ist mit den anderen Akteuren? Dafür, dass eines der wirklichen Filetstücken im Eilverfahren aus der Insolvenzmasse herausgelöst wurde, verhalten sich Banken und Insolvenzverwalter sehr ruhig. Der vorläufige Kirch-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray bezeichnete das Verfahren als "sinnvolle, WM-sichernde Maßnahme." Auch die Gläubigerbanken hätten das Verfahren abgesegnet.

Demnach sind die WM-Rechte wohl nicht wirklich insolvenzfest. Entsprechend groß ist die Verunsicherung. ARD und ZDF, die KirchMedia die Übertragungsrechte für das Turnier in Japan und Südkorea abkauften, reagieren entsprechend nervös.

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete, dass die ARD die einseitige Lösung der Verträge durch einen Insolvenzverwalter in Betracht ziehe. "Wir haben jetzt einen Vertragspartner, von dem wir nicht genau wissen, wer er ist", beschrieb ein Insider gegenüber der FTD das Problem. Ein Spitzentreffen mit der Fifa am Wochenende soll Klarheit bringen.

KirchMedia: Die neuen Hausherren


Verwandte Artikel