Kirch-Pleite Warten auf Rupert Murdoch

Nach der Pleite wollen die Gläubigerbanken das Kerngeschäft der KirchGruppe, die KirchMedia, mit weiteren Kapitalspritzen am Leben erhalten. Offen bleibt, wann Rupert Murdoch bei Premiere einsteigt.

München - "Unser Ehrgeiz ist es, diesen größten bundesdeutschen Krisenfall so schonend wie möglich für alle Beteiligten zu lösen und dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten", sagte der neue Geschäftsführer Wolfgang van Betteray, der in den vergangenen Wochen bereits bei Kirch als Krisenmanager tätig war. Die Banken sind bereit, unter Umständen noch einmal eine Milliardensumme in die KirchMedia zu investieren und damit die Mehrheit zu übernehmen.

In den kommenden Wochen wollen die Kreditinstitute aber zudem mit einer Reihe von Investoren verhandeln, die an einem Einstieg interessiert seien. "Ich habe den Eindruck, die reißen sich darum", sagte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann. Als Kandidaten gelten in der Branche unter anderem der Axel Springer Verlag und die WAZ.

Allerdings legen sich Banken und das Management ausdrücklich nicht auf eine "deutsche Lösung" fest. Damit ist ein Einstieg der KirchMedia-Gesellschafter rund um Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch bei Kirch noch nicht vom Tisch.

Zukunft von Premiere unklar

Unklarheit herrschte zunächst über die Zukunft des Bezahlsenders Premiere. Während van Betteray einen Insolvenzantrag ankündigte, widersprach ein Premiere-Sprecher dieser Darstellung. Beim Münchener Amtsgericht war bis zum Montagnachmittag noch kein Insolvenzantrag für die KirchPayTV eingegangen.

Für das Kerngeschäft KirchMedia bedeute der Insolvenzantrag "keinen Endpunkt, sondern einen Wendepunkt", sagte Commerzbank-Vorstand Hartmann. "Wir sprechen nicht von der Abwicklung einer Industriebrache, sondern von einem Wachstumsmarkt".

Die KirchGruppe hatte am Montagvormittag wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag für die KirchMedia gestellt, in der das Kerngeschäft um den Filmrechtehandel und den TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media AG gebündelt ist. KirchMedia stellte nach Angaben des neuen Geschäftsführers Wolfgang van Betteray einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Dadurch werde eine weitgehend eigenverantwortliche Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens ermöglicht. Der vom Münchner Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, Anwalt Michael Jaffe, hat mehr eine verwaltende Funktion.

Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb der KirchMedia mit ihren 5.500 Mitarbeitern kontrolliert fortzuführen und als Ganzes zu erhalten, sagte Betteray. Mit US-Filmstudios, dem DFB und der FIFA seien bereits Kontakte geknüpft worden, um belastende Verträge nachzuverhandeln.

Die Gläubigerbanken mit der Bayerischen Landesbank als größtem Kreditgeber an der Spitze unterstützen das Sanierungskonzept Betterays. Die Banken seien dazu bereit, notwendige Massekredite auf Basis üblicher Sicherheiten bereit zu stellen, sagte Hartmann. In den kommenden Monaten benötige die KirchMedia einen dreistelligen Millionenbetrag, um die Liquidität zu sichern. Zudem seien die Banken auch grundsätzlich dazu bereit, als Eigenkapitalgeber aufzutreten.

Die Banken könnten dabei nach seinen Angaben auch einen Milliardenbetrag investieren und die Mehrheit übernehmen. Die Kreditinstitute würden in einem Gläubiger-Beirat eine "konstruktive Rolle für das Weiterbestehen" der KirchMedia übernehmen.

Kein Bruch mit Kirch und Hahn

Die neue Geschäftsführung der KirchMedia strebt keinen Bruch mit Leo Kirch und seinem Vize Dieter Hahn an. "Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Hahn uns auf unsere Bitte hin weiter zur Verfügung steht", sagte van Betteray. Auch Leo Kirch könne viel Erfahrung vorweisen. Es sei aber offen, ob die beiden auch operativ tätig würden.

Steigt Murdoch bei Premiere ein?

Die neue Führung wollte die Beschäftigten auf einer Versammlung über die Lage nach dem Insolvenzantrag informieren. Hahn und Kirch wollten daran dem Vernehmen nach aber nicht teilnehmen. Leo Kirch wollte in einem Schreiben an die Beschäftigten zur Situation Stellung nehmen. Hartmann sagte, Kirch nehme ausdrücklich allein die Schuld für sein Scheitern auf sich.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Einstieg des Medientycoons Rupert Murdoch bei Premiere immer wahrscheinlicher wird, denn schon am Montag stand die Insolvenz des Pay-TV-Senders kurz bevor.

Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, wird es am Ende wohl in jedem Fall darauf hinauslaufen, dass Premiere mit 2,4 Millionen Abonnenten an Murdoch geht. Allerdings sei noch unklar, ob Murdoch erst ein Insolvenzverfahren abwarten will, um sich dann die Mehrheit an Premiere zu sichern. Möglicherweise kauft Murdoch aber Premiere auch schon vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

An einer kleineren Beteiligung an Premiere könnten neben Murdoch auch US-Filmstudios interessiert sein, hieß es in Unternehmenskreisen. Kirch hatte mit den Studios umfangreiche Verträge über Filmrechte abgeschlossen. Die hohen Verluste des Bezahlsenders Premiere gelten als Hauptursache für die Krise im Hause Kirch. Premiere hatte 2001 Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 962 Millionen Euro. Das operative Minus betrug im vergangenen Jahr ebenfalls fast eine Milliarde Euro.

Murdoch hält derzeit 22 Prozent an der KirchPayTV. Er hatte sich eine Option gesichert, diese Anteile im Herbst gegen Zahlung von etwa 1,7 Milliarden Euro zurückgeben zu können. Wegen dieser drohenden Option dürfte sich ohne Insolvenzverfahren ohnehin kein anderer Investor außer Murdoch für die Mehrheit an der KirchPayTV interessieren.