Premiere Pleite oder nicht?

Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi sind Schuld an der Kirch-Pleite, so die Gläubigerbanken. Auch die neuen Geschäftsführer meldeten sich zu Wort. Eine angekündigte Insolvenz von Premiere wurde von dem Bezahlsender selbst umgehend dementiert.

München - Der Sprecher der Banken, Wolfgang Hartmann von der Commerzbank machte vor allem die Aktionäre von KirchMedia, darunter Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi, für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Diese hätten sich nicht dazu bereit erklärt, dringend benötigtes Kapital zuzuschießen oder auf Verkaufsoptionen zu verzichten, sagte er auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz der Kirch-Gläubigerbanken.

Den Insolvenzantrag begründete Hartmann mit den Gefahren für die Finanzlage des Kirch-Konzerns. "Das Unternehmen hat bereits einen Zerstörungsgrad erreicht, dass bei einer Fortführung des Unternehmens auch noch die freien Vermögensteile der KirchGruppe verbrannt wären".

Für eine Rettung der KirchGruppe appellierte Hartmann an alle Interessengruppen. Neben den Aktionären rief er auch die US-Filmstudios und die Sportverbände zur Zusammenarbeit auf. Die Banken seien dabei bereit, notwendige Massekredite auf Basis üblicher Sicherheiten zur Verfügung zu stellen. Eine Rettung setze jedoch zwingend voraus, dass auch alle anderen Beteiligten dieses Fortführungskonzept mit eigenen finanziellen Beiträgen ermöglichen.

"Der Insolvenzantrag bedeutet einen Wendepunkt"

"Der Insolvenzantrag bedeutet keinen Endpunkt, sondern einen Wendepunkt. Wir sprechen hier nicht von der Abwicklung einer Industriebrache, sondern von einer Wachstumsbranche", sagte Hartmann.

Die Kirch-Sanierungsberater Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems sind als neue Geschäftsführer der KirchMedia bestellt worden. Als vorläufigen Insolvenzverwalter hatte das Amtsgericht München zuvor den Anwalt Michael Jaffee bestellt. Van Betteray hat noch während der Pressekonferenz für das Kirch Pay-TV-Geschäft einen Insolvenzantrag angekündigt.

"Wir haben keinen Insolvenzantrag gestellt und wir werden heute keinen Insolvenzantrag stellen", sagte daraufhin ein Premiere-Sprecher. Van Betteray reagierte auf die Verwirrung mit den Worten. "Die Medienbranche ist eine besonders schnellebige Branche." Er stellte klar, dass der Insolvenzantrag für die Premiere-Eignerin KirchPayTV gelte, nicht aber für Premiere selbst. Doch auch für KirchPayTV sei bis zum Nachmittag noch kein Insolvenzantrag eingegangen, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts München.

Premiere hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro eingefahren. Die Zahl der Abonnenten stagnierte bei 2,4 Millionen. Die Verluste des Senders gelten als Hauptursache für die Finanznot der KirchGruppe. Bei dem Sender arbeiteten zuletzt rund 2400 Beschäftigte. Premiere hatte aber schon den Abbau von rund 800 Stellen angekündigt.

Verprellte Partner, Neue Spieler

Van Betteray betonte, durch den Insolvenzantrag seien erhebliche Belastungen beseitigt, die den Fortbestand des Unternehmens gefährdet hätten. Ziel sei nun, Kosten in dreistelliger Millionenhöhe einzusparen durch Kostensenkungen bei KirchMedia und den Tochtergesellschaften. Dazu sollten die Programminvestitionen reduziert und Verträge nachverhandelt werden.

Verprellte Partner, neue Spieler

"Die KirchMedia hat sich bei den großen amerikanischen Filmstudios auf überteuerte Einkaufsverträge eingelassen", sagte Betteray. Nach seinen Angaben schuldet Kirch den großen US-Filmstudios rund 500 Millionen Euro. Dennoch solle erreicht werden, dass die Studios weiter liefern. Notwendig sei es außerdem, sich von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Teilen zu trennen. Hier kämen in- und ausländische Investoren in Betracht. Die Übertragungen der Bundesliga-Spiele und der Fußball-WM seien nicht gefährdet.

Nach Angaben des Amtsgerichts München stellte Medienunternehmer Leo Kirch den Insolvenzantrag für die KirchMedia, zu der unter anderem der TV-Konzern ProSiebenSat.1 und der Filmrechtehandel zählen. Außerdem gehören dazu die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga. Die KirchMedia beschäftigt 5500 Mitarbeiter, in der gesamten KirchGruppe sind es knapp 10.000 Beschäftigte.

Gemessen an den Verbindlichkeiten handelt es sich laut Experten um die größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die KirchGruppe ist mit mehr als 6,5 Milliarden Euro verschuldet. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, werden sich die Bayerische Landesbank, die HypoVereinsbank, die Commerzbank sowie die DZ Bank an der Rettungsaktion beteiligen. Wichtigster Bestandteil des Rettungspakets sei eine erneute Finanzspritze von 800 Millionen Euro.

Der Axel Springer Verlag will bei Kirch offenbar eine zentrale Rolle übernehmen. "Eine strategische Position in der Auffanggesellschaft erwarten wir schon", wird der Axel Springer Verlag zitiert.

Insider würden von einem 25-prozentigen Anteil an der Auffanggesellschaft sprechen, den Axel Springer übernehmen wolle. Aus Bankenkreisen sei zu vernehmen, dass man für ein Engagement Springers offen sei, wenn der Verlag Kapital mitbringe. Die WAZ-Gruppe wird als zweiter möglicher strategischer Investor genannt.

Unterdessen habe die KirchGruppe einen Bericht des SPIEGEL bestätigt, demzufolge die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und 2006 vollständig auf die schweizerische Tochtergesellschaft Kirch Sport mit Sitz in Zug übertragen wurden.

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