EM.TV "Wir werden nicht in den Abgrund gezogen"

Welche Folgen hat die Kirch-Insolvenz für EM.TV? Im Interview mit manager-magazin.de bewertet CEO Werner E. Klatten die jüngste Entwicklung.
Von Andreas Nölting

mm.de:

Herr Klatten, zieht die Kirch-Insolvenz jetzt auch EM.TV  in den Abgrund?

Klatten: Natürlich sind wir von der Insolvenz betroffen. Wir werden durch die jüngste Entwicklung aber nicht in den Abgrund gezogen. Keineswegs.

mm.de: In welchen Geschäftsfeldern sind Sie betroffen?

Klatten: In unserem Kerngeschäft gibt es das 50:50-Prozent-Joint-Venture "Junior-TV" mit KirchMedia. Das ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das die größte Rechtsbibliothek für Kinder- und Jugendprogramme verwaltet. Wir stellen dort das Management und können weiter am Markt arbeiten. Zudem haben wir jetzt die Möglichkeit, die Junior-Anteile von Kirch zu übernehmen.

mm.de: Haben Sie denn überhaupt noch genügend finanzielle Mittel, um die Junior-Anteile zu kaufen?

Klatten: Ich habe keinen Zweifel, dass wir am Ende 100-Prozent-Gesellschafter von Junior TV sind. Das war von Anfang an mein Plan. Es wird viele Möglichkeiten geben, diese 50 Prozent zu erwerben, etwa durch einen Asset-Tausch.

mm.de: Am meisten drückt Sie doch wohl der potentielle Verfall des Wertes ihrer Formel1-Anteile ...

Klatten: Unsere Anteile sind zugunsten der die Formel-1-Anteile der Kirch-Gruppe finanzierenden Banken verpfändet worden. In einem Worst-Case-Szenario sind für uns Sonderabschreibungen notwendig. Allerdings: Unsere Eigenkapitalquote ist selbst nach diesen potentiellen Sonderabschreibungen immer noch gut genug. Und ob es zu einer zwangsweisen Verwertung der Formel1-Anteile kommt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt vollständig offen.

mm.de: Wie hoch sind die Sonderabschreibungen, die Sie möglicherweise leisten müssen?

Klatten: Bei einer Totalabschreibung betragen sie in der AG-Bilanz rund 204 Millionen Euro und in der Konzernbilanz etwa 256 Millionen Euro.

mm.de: Haben Sie Ihre Venture-Capital-Geber bereits gebeten, neue Gelder bereitzustellen?

Klatten: Das ist nicht notwendig. Die durch die Kirch-Insolvenz möglicherweise bedingten Sonderabschreibungen haben eine bilanzielle Wirkung. Wir werden weiter ein Eigenkapital haben, das über der Börsenkapitalisierung liegt. Die Formel1-Beteiligung hat darüberhinaus nie einen positiven cash-flow für uns gehabt. Deswegen möchte ich diese Beteiligung auch verkaufen.

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