Bundesliga Keine Panik!

Trotz der Insolvenz bei KirchMedia wird es vorläufig keine Klub-Pleiten geben. Die DFL hat 41 Millionen Euro gebunkert. Sechs bis acht Wochen Liquidität beim Profi-Fußball sind so garantiert.

Frankfurt - Den Vereinen der Fußball-Bundesliga steht durch die Insolvenz der Kirch-Gruppe kein unmittelbares finanzielles Desaster bevor. Wie die Interessenvertretung der 36 deutschen Profi-Klubs DFL mitteilte, haben die Bundesligisten rund 41 Millionen Euro zurückgelegt.

"Die Gelder sind in Verbindung mit der Lizenzierung in einen Topf eingezahlt worden", sagte der geschäftsführende DFL-Vorsitzende Wilfried Straub am Montag in Frankfurt. Für den Fall von Liquiditätsschwierigkeiten haben die Clubs im Laufe der vergangenen Jahre 80 Millionen Mark (40,9 Millionen Euro) als Kaution hinterlegt.

Damit besitzen die Vereine ein finanzielles Polster, wenn zum Beispiel die im Mai fällige 100-Millionen-Euro-TV-Rate für die Bundesliga ausbliebe.

Krisentreffen am Donnerstag

41 Millionen Euro würden reichen, um zumindest sechs bis acht Wochen Liquidität zu garantieren. Der Vorsitzende der Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, sagte über die Verteilung: "Das würde natürlich den Klubs wie St. Pauli, Nürnberg, Oberhausen, Greuther Fürth zur Verfügung gestellt - und nicht Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund oder Bayern München. Diese Klubs können sich selbst aus der Patsche helfen."

Aufgrund der Kirch-Insolvenz ist laut Wilfried Straub am Donnerstag eine Krisensitzung der 36 deutschen Profi-Klubs angedacht. "Wir werden alle die Situation diskutieren", erklärte DFL-Pressechef Tom Bender und ergänzte: "Wir werden auch darüber reden müssen, Anpassungen an das laufende Lizenzierungsverfahren vorzunehmen." Das Ziel sei, die Sicherheit der TV-Übertragungen bis zum Saisonende zu garantieren. Michael Pfad, Geschäftsführer Kommunikation der DFL, fügte hinzu: "Wir haben Signale über einen Fortbestand der Plattform Premiere/Pay-TV bekommen."

Auch die Klubvertreter geben sich selbstbewusst, die Kirch-Krise in Eigenverantwortung zu meistern. Reiner Calmund,Manager von Bayer Leverkusen, sagte in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen": "Wir wollen keine Steuergelder." Und Karl-Heinz Rummenigge assistierte: "Politische Lösungen sind für mich immer der letzte Ausweg, wenn gar nichts mehr geht. Die Bundesliga ist stark genug, betriebswirtschaftliche Lösungen zu suchen und zu finden."

Die Profis müssen den Gürtel enger schnallen

Die Profis müssen den Gürtel enger schnallen

Beim Krisentreffen der DFL soll über die Verteilung der Gelder und über das weitere Vorgehen gesprochen werden. Noch ist unklar, ob die Bundesliga-Rechte an die Liga zurückfallen - was Neuverhandlungen mit allen interessierten TV-Anbietern bedeuten würde - oder ob die Pleitefirma die Rechte behält und mit der DFL über einen Nachlass verhandeln wird.

Es zeichnet sich unterdessen ab, dass bei neuen Verträgen die Spieler den Gürtel enger schnallen müssen. Allerdings verwies Reiner Calmund auf die Konkurrenz aus Südeuropa und dem Fußball-Mutterland: "Was in Spanien, in Italien und England teilweise gezahlt wird, ist Wahnsinn. Die Gehälter sind zu hoch - und sie sind vor allen Dingen im Ausland zu hoch." Besserung auf diesem Gebiet ist erst ab 2004 zu erwarten, wenn ein europaweites Lizenzierungssystem der Europäischen Fußball-Union(Uefa) in Kraft treten soll.

Keine Gefahr für die Übertragung der Fußball-WM

Die Fernseh- und Rundfunkübertragungen von der Weltmeisterschaften 2002 in Südkorea und Japan sind trotz der Kirch-Insolvenz gesichert. Dies gab der Internationale Fußball-Verband Fifa bekannt.

Die Fifa und die Kirch-Gruppe hatten sich zuvor auf ein Verfahren geeinigt, damit die WM-Rechte 2002 und 2006 im Falle einer Insolvenz von KirchMedia GmbH & Co KGaA nicht zur Konkursmasse zählen, sondern weiterhin frei über sie verfügt werden könne. Die Rechte wurden vorab aus der KirchMedia - die damit erheblich an Wert verlor - herausgelöst und auf die Firma KirchSport AG mit Sitz in Zug/Schweiz übertragen.

Kirch hatte bereits zum 15. Januar 2002 fristgerecht 1,2 Milliarden Schweizer Franken an die Fifa gezahlt. Für den Restbetrag von 100 Millionen Franken, der 20 Tage nach Abschluss der WM-Endrunde 2002 in Südkorea und Japan fällig wird, liegen laut des Welt-Verbandes entsprechende unwiderrufliche Bankgarantien vor.

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