Kirch-Desaster Leo Kirch ist pleite

Die größte Firmenpleite der deutschen Nachkriegszeit ist besiegelt. KirchMedia hat heute Insolvenz angemeldet, die Dachgesellschaft Taurus-Holding soll nachziehen. Über 10.000 Mitarbeiter bangen um ihren Job.

München - Die KirchMedia GmbH & CO KGAA hat Insolvenzantrag gestellt. Das teilte der Sprecher des Amtsgerichts München am Montag mit. Auch ein Insolvenzverwalter steht unterdessen fest. Das Amtsgericht hat den Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffe zum vorläufigen Insolvenzverwalter der KirchMedia GmbH bestellt. Gemessen am Schuldenstand handelt es sich um die größte Firmenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Nach Angaben des Gerichts stellte Kirch den Antrag bisher nur für die KirchMedia, zu der unter anderem der TV-Konzern ProSiebenSat.1 und der Filmrechtehandel gehören. Außerdem gehören dazu die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga. Die KirchMedia beschäftigt 5500 Mitarbeiter, in der gesamten KirchGruppe sind es knapp 10.000 Beschäftigte.

Am Montag um frühestens 15 Uhr wollen die Banken und der Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray auf einer Pressekonferenz ihre Vorstellungen für eine Auffanglösung vorstellen. Nach dem Insolvenzantrag für das Kerngeschäft der Kirch-Gruppe stehen die Details einer möglichen Auffanglösung nach Angaben aus Bankenkreisen noch nicht fest. Eine diskutierte Auffanggesellschaft könne aber höchstens ein "technisches Hilfsmittel" sein, hieß es am Montag bei einer Gläubigerbank. Dies sei momentan aber nicht entscheidend. Die Geschäfte müssten am Laufen gehalten werden.

In politischen Kreisen hieß es, dass die KirchMedia während des Insolvenzverfahrens voraussichtlich in Eigenverwaltung fortgeführt werde. Gemessen an der Verschuldung handelt es sich laut Experten um die größte Firmenpleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Axel Springer Verlag an vorderster Front

An der Auffanggesellschaft beteiligt sind die Bayerische Landesbank Girozentrale (BayernLB), die HypoVereinsbank , beide München, die Commerzbank  sowie die DZ Bank Deutsche Zentral-Genossenschaft. Wichtigster Bestandteil des Rettungspakets ist eine erneute Finanzspritze von 800 Millionen Euro. Die Münchner Banken wollten am Montagmorgen auf Anfrage dazu keine Stellung nehmen.

Als mögliche Konsequenz könnten das Bezahlfernsehen Premiere und die Holding-Gesellschaft Taurus vor dem Aus stehen. "Das ist zu erwarten", habe es seitens der Banken geheißen. Auch der Axel Springer Verlag wolle eine zentrale Rolle übernehmen. "Eine strategische Position in der Auffanggesellschaft erwarten wir schon", wird der Springer Verlag zitiert.

Insider würden von einem 25-prozentigen Anteil an der Auffanggesellschaft sprechen, den Axel Springer übernehmen wolle. Aus Bankenkreisen sei zu vernehmen, dass man für ein Engagement Springers offen sei, wenn der Verlag Kapital mitbringe.

Unterdessen habe die KirchGruppe einen Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL bestätigt, demzufolge die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und 2006 vollständig auf die schweizerische Tochtergesellschaft Kirch Sport mit Sitz in Zug übertragen wurden. Dadurch könnte Leo Kirch könnte auch im Fall der Insolvenz die Fernsehrechte an den Fußballweltmeisterschaften 2002 und 2006 behalten.

Unterdessen erwartet Bundesinnenminister Otto Schily, dass wegen der Krise des Kirch-Konzerns das Verhalten der Bayerische Landesbank überprüft wird. Schily, der auch Spitzenkandidat der bayerischen SPD für den Bundestagswahlkampf ist, sagte der "Welt am Sonntag": "Dass eine Landesbank, die in erster Linie Kredite an den Mittelstand vergeben soll, sich so tief in das Kredit-Engagement begeben hat, ist schon ein Vorgang besonderer Qualität. Ich frage mich, ob sich nicht langsam das Kreditaufsichtsamt damit beschäftigen müsste."

Kirchs Pleite - die Chronik eines Abstiegs

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