Axel Springer Verlag "Geldvernichtungsmaschine" pleite

Ein weiteres Joint Venture des Verlages ist gescheitert und stellt Insolvenzantrag.

Berlin - Die von dem Axel Springer Verlag , dem Konzertveranstalter Deutsche Entertainment AG (Deag)  und der Lufthansa-Tochter Start gegründete Online-Plattform Qivive ist zahlungsunfähig. Wie die Deag am Freitag in Berlin mitteilte, hat die Geschäftsführung des Bad Homburger Unternehmens Insolvenz beantragt.

Das Internet-Angebot, mit dem vor allem Eintrittskarten online bestellt werden konnten, war erst Ende 1999 gegründet worden. In der Pressemeldung zum Start hatte es geheißen: "Durch die Gesellschafterstruktur von Qivive entsteht eines der größten Freizeit-Angebote in Deutschland. (...) Qivive baut einen der führenden Marktplätze für Freizeitangebote auf und bietet dabei alles aus einer Hand. Das Unternehmen ist aus der START Ticket GmbH hervorgegangen und verfügt über langjährige Erfahrung."

"Eine Marke wie Coca-Cola"

Im Interview mit dem Springer-Blatt "Die Welt" sagte die Geschäftsführerin Ivanka Springer über ihr junges Unternehmen: "Eine derart systematische Präsentation des Angebots ist einmalig. Unser Ziel ist es, mit einem Anteil von 30 Prozent Marktführer in diesem Segment zu werden."

Qivive, so Ivanka Springer, werde künftig eine Marke für Freizeitgestaltung sein wie Coca-Cola der Inbegriff für Erfrischungsgetränke sei. Außerdem plane man, den Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens bis 2005 auf 350 Millionen Mark zu verzehnfachen.

Nach dem Scheitern dieser ambitionierten Pläne konnten sich die drei Gesellschafter nach Deag-Angaben nun nicht auf eine weitere Finanzierung einigen. Auch die Übernahme von Qivive durch einen neuen Investor sei in letzter Minute gescheitert, erklärte die Deag. Der Geschäftsbetrieb werde jedoch vorerst weitergeführt.

IPO gescheitert, Finanzierung geplatzt

Qivive sollte ursprünglich 2001 an die Börse gebracht, um so die nötigen Finanzmittel aufzubringen. Das Konzept ging jedoch nicht auf, da die Anleger nach dem Platzen der Spekulationsblase am Neuen Markt zunehmend misstrauischer gegenüber Neuemissionen von Start-up-Firmen geworden waren.

Deag-Vorstandschef Peter Schwenkow sprach von einem "völlig neuen Marktumfeld" gegenüber den ursprünglichen Planungen. Es habe daher die Frage bestanden, ob das Unternehmen in absehbarer Zeit profitabel werde.

Die Gesellschafter seien jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass Qivive auch in den nächsten zwei Jahren eine "Geldvernichtungsmaschine" bleibe, sagte Schwenkow der dpa.

Deag-Anteil bereits abgeschrieben

Die Deag geht laut Schwenkow davon aus, dass sie sich im Rahmen der Insolvenz "auch kurzfristig von der mit der Qivive GmbH bestehenden exklusiven Vertriebsbindung teilweise und anschließend ganz lösen" könne.

Bezogen auf die Restlaufzeit der ursprünglichen Exklusivbindung an Qivive könne Deag nunmehr von Mehrerlösen im "zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" ausgehen. Die 33-prozentige Beteiligung an Qivive sei bereits im vergangenen Jahr vollständig abgeschrieben worden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.