Bertelsmann E-Commerce soll profitabel werden

Thomas Middelhoff ist optimistisch. Das Internetgeschäft soll bis 2003 schwarze Zahlen schreiben.

Berlin - Bertelsmann will nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" 2003 die Gewinnschwelle beim Internetgeschäft erreichen.

"Im kommenden Jahr werden, so meine Prognose, die Verluste in diesem Bereich auf Null reduziert werden", kündigte Thomas Middelhoff, Chef des weltweit viertgrößten Medienkonzerns, im Gespräch mit dem Blatt an. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Internet-Verluste noch rund 880 Millionen Euro betragen, die allerdings durch hohe Sondererträge aus den Verkäufen von AOL Europe gedeckt waren.

Das Erreichen der Gewinnschwelle müsse jetzt angepackt werden, weil Bertelsmann auch keine weiteren Sondererlöse in der Internet-Sparte mehr erwarten könne. "Es war stets unsere Politik, für Internet- Geschäfte immer nur so viel auszugeben, wie durch Erträge in diesem Bereich gedeckt war", sagte Middelhoff.

Alle Internet-Geschäfte, die Bertelsmann gestartet habe und kein Geld gebracht hätten, seien inzwischen eingestellt worden oder würden noch umstrukturiert. "Die anderen Geschäfte müssen im Jahr 2003 die Gewinnschwelle erreichen", so Middelhoff.

Napster kommt nicht in Schwung

Zudem erklärte Middelhoff, dass die geplante Übernahme der Internet- Musiktauschbörse Napster ins Stocken geraten sei, weil sich die Altgesellschafter in den Verhandlungen quer stellten. "Wir wollen die Altgesellschafter herauskaufen, vor allem die Risikokapitalgesellschaft Hummer Winblad Venture Partners und einige private Investoren wie John Fanning, den Onkel des Gründers Shawn Fanning. Denen haben wir ein Angebot unterbreitet, doch die Gesellschafter liegen darüber im Streit, wie sie die Gelder untereinander aufteilen sollen", sagte Middelhoff.

Zugleich ist Bertelsmann auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten auf dem europäischen Fernsehmarkt. "In England, Spanien und Frankreich wird es weitere Konsolidierungswellen geben, und da wird Bertelsmann über die RTL Group eine wichtige Rolle spielen", sagte Middelhoff. Dagegen sei sein weiteres Ziel, auf dem amerikanischen Markt stärker Fuß zu fassen, eher schwierig: "Es gibt dort einfach keine geeigneten Übernahme-Kandidaten."

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