DFL "Wie die Trottel"

Über die Finanzierung der Bundesliga nach der Kirch-Pleite wird heiß diskutiert. Der Ligaverband macht dabei keine gute Figur. Wie in der Vergangenheit kochen die Klubs ihr eigenes Süppchen.

Wenn es um Fußball geht, geht es immer auch um Emotionen – nicht nur im Stadion. Emotional ist auch die aktuelle Debatte um die weitere Finanzierung der deutschen Fußballbundesliga nach dem Kirch-Crash.

Was bei dem Getöse um die vom "Kleinen Mann" bezahlten Profikicker in den Hintergrund tritt, ist das massive strukturelle Problem im deutschen Fußballgeschäft. Die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) führt nach eigener Aussage das operative Geschäft des Ligaverbands e.V., in dem die "lizenzierten Vereine und Kapitalgesellschaften der Fußballlizenzligen Bundesliga und 2. Bundesliga" zusammengefasst sind. Nun belegen die aktuellen Vorgänge, dass der Versuch, die 36 Profi-Vereine mit einer Stimme sprechen zu lassen, an unterschiedlichen Interessen scheitert.

Schwächen in der Binnenkommunikation

Die DFL verhandelt schon seit Mitte Februar mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung über staatliche Garantien für Kredite, damit die Klubs im Falle einer Insolvenz des Kirch-Konzerns das Fehlen der TV-Gelder kompensieren können bis ein neuer Käufer für die Übertragungsrechte gefunden ist. Nach außen betonten die Beteiligten fortwährend ihr Vertrauen in den bisherigen Vertragspartner aus Ismaning.

Eigentlich eine klare Angelegenheit: Der Ligaverband hatte das drohende Insolvenz-Szenario geahnt und entsprechend die Fühler Richtung Politik ausgestreckt, um die vor allem für die kleinen Vereine harten Konsequenzen zu mildern. Doch dann setzte jener Vorgang ein, den Michael Meier, Manager von Borussia Dortmund und außerdem DFL-Vorstandsmitglied, "das Gerede" nannte.

Während die Spitze verhandelte, setzte an der Basis der Erosionsprozess ein. Allen voran Rolf Rüssmann, Manager vom VfB Stuttgart fand deutliche Worte und fragte: "Wer verhandelt da eigentlich für uns?" Und weiter: "Die Dortmunder sprechen mit ihrem Ministerpräsidenten Wolfgang Clement, andere Vereine sprechen angeblich mit Premiere-Chef Kofler, und der Rest der Liga sitzt wie die Trottel da und weiß nicht, was passiert." Peter Pander, Manager beim VfL Wolfsburg, sekundierte: "Das ist alles schwierig einzuschätzen. Wir erfahren das ja auch nur aus der Zeitung."

Querschüsse von Hoeneß

Die Binnenkommunikation des Unternehmens Fußballbundesliga lässt offenbar stark zu wünschen übrig. Das beklagte auch Bayern-Manager Uli Hoeneß. Der schimpfte darüber, dass die Auswirkungen der anstehenden Kirch-Pleite auf die Bundesliga öffentlich diskutiert würden – und diskutierte nach Bekanntwerden des Rettungsplanes mit staatlicher Hilfe fleißig öffentlich mit.

Landesbürgschaften zur Finanzierung der Bundesliga hält Hoeneß für "fragwürdig". Stattdessen hofft er, dass die Bundesliga wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattfinden wird. Es gäbe sicher andere Möglichkeiten, den Fußball im Fernsehen profitabel zu betreiben.

Keine Chance für zentrale Steuerung

Der gleiche Vorgang, aber mit umgekehrten Vorzeichen: Nicht die "Kleinen" aus Stuttgart oder Wolfsburg schießen quer, sondern das Münchner Branchenschwergewicht. Während die DFL mühsam versucht, ein Ergebnis zu erreichen und zu verkaufen, tritt ein Mitgliedsverein mit Gegenentwürfen oder Kritik an die Öffentlichkeit.

Es bleibt die Frage, ob ein Geschäft, dass primär von Konkurrenz und Rivalität lebt, überhaupt zentral gesteuert werden kann. Die Problematik ist bei der DFL bekannt. Wilfried Straub, beim Liga-Verband zuständig für das operative Geschäft sagte in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt: "Da Sport ein emotionales Geschäft ist, können Sie nicht zentral steuern, wie sich ihre Mitglieder äußern. Die Steuerungsmechanismen sind noch nicht optimal gefunden." Wohl wahr, die aktuellen Vorgänge untermauern diese Einschätzung ein weiteres Mal.

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