Kirch-Gruppe War es das?

Die vorerst letzte Verhandlungsrunde ist gescheitert. Nun geben die Banken der Kirch-Rettung keine Chancen mehr. "Es ist vorbei", hieß es am Freitag aus Verhandlungskreisen. Angeblich liegt der Insolvenzantrag fertig in der Schublade.

Frankfurt - Nach gescheiterten Verhandlungen in Los Angeles und München rechnen die Banken jetzt mit einer Insolvenz der KirchMedia. "Es ist vorbei" hieß es am Freitag in Verhandlungskreisen.

Ein Bankmanager sagte, die Chance, dass es in den nächsten Tagen zur Insolvenz komme, habe sich "in der Nacht dramatisch auf 90 bis 95 Prozent erhöht". Der Insolvenzantrag werde bis spätestens Dienstag gestellt, wenn nicht noch ein Wunder geschehe.

In der Nacht hatten sich Bankmanager mit Rupert Murdoch in Los Angeles getroffen. Zugleich fanden weitere Verhandlungen zwischen Gläubigern und Investoren in München statt. Die Kirch-Gruppe hatte laut Unternehmenskreisen einen Insolvenzantrag für ihre Kerngesellschaft KirchMedia angekündigt, falls die Gespräche zwischen Banken und Minderheitsgesellschaftern endgültig scheitern sollten.

"Die Investoren streiten sich, wer was kriegt"

Die Minderheitsgesellschafter der KirchMedia hätten am Donnerstagabend zunächst Zugeständnisse signalisiert, hätten dann aber doch auf ihrer Position beharrt, hieß es. "Die Investoren streiten sich, wer was kriegt und lassen es dann lieber platzen." Eine Wende sei nur noch theoretisch denkbar. Wann der Insolvenzantrag eingereicht werde, müsse Leo Kirch entscheiden.

Auch aus Kirch-Kreisen verlautete, der Medienkonzern stelle sich auf eine Insolvenz ein. "Der Insolvenzantrag ist schon lange vorbereitet", hieß es. Schon am Freitag könnte der Antrag beim Amtsgericht abgegeben werden.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters besteht allerdings noch Hoffnung für den angeschlagenen Medienkonzern. Die Verhandlungen zwischen dem australischen Medientycoon Rupert Murdoch und Vertretern der Kirch-Gruppe würden - wenn auch bisher ergebnislos - weitergeführt.

Die wochenlangen Verhandlungen über eine Rettung des Kirch-Kerngeschäfts mit den Minderheitsgesellschaftern - unter ihnen der Medienunternehmer Rupert Murdoch und der italienische Mediaset-Konzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi - waren nach Darstellung aus Bankenkreisen an der Unnachgiebigkeit der Investoren gescheitert. "Sie haben sich bislang in Fragen einer Brückenfinanzierung kaum bewegt, und wenn sie morgen nicht plötzlich sehr viel Geld mitbringen, reicht es einfach nicht", sagte ein Vertreter der KirchMedia-Gläubigerbanken BayernLB, Commerzbank , HypoVereinsbank und DZ Bank.

Von einer Insolvenz der KirchMedia wären die von ihr kontrollierten Privatsender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 nicht berührt.

Die Liga zittert im Angesicht der Pleite

Um die Fußball-Bundesliga vor den Auswirkungen einer Kirch-Pleite zu verschonen, will der Staat den Profi-Clubs zusammen mit mehreren Ländern mit einer Bürgschaft unter die Arme greifen. Einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigten am Donnerstag der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, sowie Werner Hackmann als Vorsitzender der Deutschen Fußball- Liga (DFL).

Die KirchGruppe sorgt mit den 1,53 Milliarden Euro, die sie für einen Vierjahresvertrag bis 2004 mit der Deutschen Fußball- Liga (DFL) vereinbart hat, für die Existenzgrundlage der meisten Profivereine der 1. und 2. Bundesliga.

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