Sex-Sites Shoppen statt Sex?

Eine Studie beweist, dass User seltener Sex-Sites nutzen. Ob's stimmt? Kritiker zweifeln.

Wenn die Amerikaner in den Suchmaschinen das Stichwort "Sex" eingeben, dann taten sie das im vergangenen Jahr häufiger, um Neues über die menschliche Sexualität zu erfahren als über Erotik und Pornografie. Gab 1997 noch jeder Sechste in der Suchmaschine Excite den Begriff mit den drei Buchstaben ein, war es im vergangenen Jahr nur noch jeder Zwölfte. Auch die am häufigsten besuchten Seiten im Netz sollen inzwischen nicht mehr Erotik-Seiten sein. MSN, Ticket-Services und Unternehmensseiten haben die bereits überholt.

Wissenschaftler von der Penn State University in Pennsylvania haben fünf Jahre lang die Anfragen bei Excite ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass Erotik und Pornografie an Bedeutung verloren haben. "Seit 1997 haben sich die Inhalte im Netz massiv in Richtung kommerzieller Angebote verschoben", sagt Amanda Spink, Autorin der Studie. Vor fünf Jahren waren die meisten Surfer noch Studenten und junge Computerfreaks. Heute entspreche der Nutzerkreis etwa einem Gesamtquerschnitt der Bevölkerung.

Und der interessiert sich eher für Seriöses, wenn er Excite anwählt: Suchten 1997 nur 13,3 Prozent der Surfer Seiten zu Handel, Reisen und Arbeit, so waren es im vergangenen Jahr bereits 24,7 Prozent. Vielleicht liegt es auch daran, dass bis 1999 die kommerziellen Angebote im Netz um 80 Prozent zugenommen haben.

Ungeduldige Surfer

Die Internet-User sind in den letzten Jahren zugleich ungeduldiger geworden. Nur 30 Prozent unter ihnen klickten 1997 höchstens drei Suchergebnisse an. Im vergangenen Jahr hingegen suchte über die Hälfte der User nur auf einer Seite nach dem Gewünschten, gar 70 Prozent klickten auf ihrer Suche höchstens zwei Seiten an. "Viele Menschen tendieren dazu, unabhängig von der Qualität das Erstbeste zu nehmen", sagt Spink.

Die Studie der Penn State University hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. Die Statistik-Abfragen einer Suchmaschine wie Excite seien nicht aussagekräftig, sagt etwa John Morrison vom Rollins College in Florida. Wer Sex will, klicke gleich auf die einschlägigen Suchmaschinen, so der Gelehrte. Danny Sullivan von "Search Engine Watch" unterstützt dessen Meinung: "Excite hat sich seit 1997 signifikant gewandelt. Es könnte sein, dass auf anderen Suchmaschinen Sex-Seiten noch immer populär sind."

Andere Experten sehen den Grund für den Rückgang der Porno-Suche darin, dass man die entsprechenden Seiten nicht mehr suchen müsse. Spam-Mails haben nach deren Ansicht die Rolle der Suchmaschinen längst übernommen. Oder sollten die User wirklich ihre anfängliche Neugierde nach den Schmuddelseiten befriedigt haben?

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