HP/Compaq Warten auf das Votum

Hewlett-Packard muss noch mindestens zwei Wochen auf das endgültige Abstimmungsergebnis zur Compaq-Fusion warten. Für HP-Chefin Charly Fiorina wird das Aktionärs-Votum eine Zitterpartie: Sollte sie verlieren, sind ihre Tage gezählt.

Hamburg - Auch nach der Abstimmung der Aktionäre des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) am Dienstag über die umstrittene Übernahme von Compaq kann HP-Chefin Carly Fiorina nicht ruhig schlafen.

Mindestens zwei Wochen muss die Vorzeigefrau des kalifornischen Silicon Valley warten, bis das Votum der Investoren zu dem geplanten Milliarden-Geschäft vorliegt. "Sie kann nicht in ihrem Job bleiben wenn sie verliert", sagte HP-Investor L. Roy Papp, der mit seinen 800 000 HP-Aktien Fiorina unterstützt. "Wenn sie gewinnt, wird sie zur Heldin."

Die Aktionäre des zweitgrößten Computerkonzerns der Welt versammelten sich am Dienstag in Cupertino (Kalifornien), um über die Fusion im Wert von 20,8 Milliarden Dollar abzustimmen. Dies ist die letzte Möglichkeit für die die Anteilseigner, über die geplante Fusion zu votieren. Die Stimmkarten sollten dann von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen IVS Associates ausgezählt werden.

Carly Fiorina gib nicht auf

Carly Fiorina hatte bis zur letzten Minute um jede Stimme gekämpft. Seit dem 3. September, als die geplante Fusion verkündet wurde, hatte sie allein rund 100.000 Flugmeilen absolviert, um die häufig skeptisch fragenden HP-Eigner vor Ort zu besuchen und sie vom Fusionskonzept zu überzeugen.

In großformatigen Zeitungsanzeigen und bissigen TV-Werbespots attackierten Fiorina und ihr Team die von Walter Hewlett geführte Opposition als Wackelkandidaten und visionslose Querulanten. Bei den Angestellten von HP konnte sie sich mit diesen Argumenten nicht durchsetzen. Rund 72 Prozent der Beschäftigten, die über HP-Aktien verfügen, votierten nach Angaben von Hewlett gegen die Fusion.

Es bleibt spannend

Der Sohn des Firmen-Mitbegründers William Hewlett versuchte in dem erbittert geführten Streit, Fiorina als fehlgeleitete Firmenchefin darzustellen, die über keine klare Strategie verfüge und nicht in der Lage sei, Compaq zu integrieren. Hewlett machte deutlich, er wolle nach dem Scheitern der Fusion Fiorina durch jemanden ersetzen, "dem man nicht mehr beibringen muss, wie man den Job zu erledigen hat".

Compaq ist viel zu billig

Zumindest die Börse liefert eine klare Antwort auf die Frage, wie die Chancen für HP-Compaq stehen: nicht besonders gut. Das zeigen die Aktienkurse von HP  und Compaq . Wenn die Fusion zu Stande kommt, erhalten Compaq-Aktionäre für jede ihrer Aktien 0,6325 HP-Anteile. Wer jetzt Compaq-Aktien kauft, könnte binnen Tagen einen beachtlichen Schnitt machen - wenn die Fusion zu Stande kommt.

Wäre die Börse von der Fusion überzeugt, wäre die Kursdifferenz deutlich geringer. Bei Unternehmenszusammenschlüssen, die als sicher gelten, spürt nämlich eine ganze Horde so genannter Merger-Arbitrageure Bewertungsunterschiede auf, die ein Geschäft versprechen - und schließt durch Aktienkäufe oder -verkäufe die bestehende Kurslücke.

Die Auguren orakeln

Vor dem HP-Aktionärstreffen in Cupertino hatten sich bereits etliche Großinvestoren auf ihr Abstimmungsverhalten festgelegt. Zuletzt lagen die Fusionsgegner mit 22 zu neun Prozent vorne. Der hohe Anteil der Aktionäre, die sich erst am letzten Tag der Abstimmungsfrist entscheiden wollten, machte das Votum zur Zitterpartie für alle Beteiligten.

Die auf Daten von Thomson Financial ShareWatch basierende Analyse bezieht allerdings nur jene Aktien ein, deren Eigentümer sich bereits definitiv für die eine oder die andere Seite ausgesprochen haben. Weitere zehn Prozent der Stimmen liegen in den Händen von Fondsmanagern, die von ISS beraten werden - und der Fusion vermutlich zustimmen werden. Vermutlich.

Stochern im Nebel

Letztlich sagt die Reuters-Umfrage somit überhaupt nichts aus und ist noch weniger erhellend als die in der Politik beliebten Sonntagsfragen. Für viele Börsianer ist das Stochern im Nebel eine völlig neue Erfahrung. Normalerweise bekommen sie klar bezifferbare Gewinnprognosen oder Discounted-Cashflow-Analysen auf den Tisch. Dass diese häufig genauso wertlos sind wie sozialwissenschaftliche Umfragen, tröstet statistikfixierte Wirtschaftsmenschen vermutlich kaum.

Das Silicon Valley wird also in den kommenden Tagen gespannt auf die Provinzstadt Newark im US- Bundesstaat Delaware schauen. Dort - in den Büros von IVS Associates - werden die Stimmkarten der rund 900 000 Wahlberechtigten ausgezählt, die über insgesamt 1,94 Milliarden HP-Aktien verfügen.

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