Powerline-Technologie Neuigkeiten aus der Steckdose

Ist das Web via Steckdose zukunftsfähig? Neue Verfahren sollen neue Kunden überzeugen.

Hannover – Alle Jahre wieder ist es soweit: Pünktlich zur Cebit werden Visionen und Pläne zum Thema Powerline-Technologie präsentiert. Die Idee, den Internetzugang über das Stromnetz anzubieten, ist so neu nicht. RWE begann bereits 2001 mit dem kommerziellen Betrieb der Technik. Und auch jetzt gibt es neue Ansätze, die das Internet aus der Steckdose als Alternative zu den Kabelnetzen preisen.

Das Versorgungsunternehmen MVV Energie geht noch einen Schritt weiter. Die Mannheimer Firma will zukünftig auch Telefonverbindungen über die Stromleitung anbieten. Roland Hartung, Sprecher des Vorstandes von MVV Energie, kündigte auf der Cebit einen Feldversuch mit einigen Hundert Testkunden in der zweiten Jahreshälfte an. 2003 soll Telefonieren über das Stromnetz dann großflächig eingeführt werden.

Die technische Umsetzung liegt in den Händen von Power Plus Communications (PPC), einem Gemeinschaftsunternehmen von MVV und der israelischen Firma Main.net, die Powerline-Technologie zur Marktreife entwickelt hat.

Die Powerline-Technologie erreicht rund 70 Prozent der Übertragungsgeschwindigkeit eines DSL-Anschlusses über die Telefonleitung und steckt damit jede ISDN-Leitung in die Tasche. Die Abrechnung erfolgt allerdings nicht nach Zeiteinheit, sondern nach Datenvolumen. Vorteil: Der User muss sich nicht immer wieder aus- und einloggen.

Bei den Internetzugängen via Powerline liegt Mannheim bundesweit an der Spitze. 30.000 Haushalte sind angeschlossen. 1.600 Kunden haben sich angemeldet. Bis Ende 2002 sollen mehr als 100.000 Haushalte powerline-fähig sein. Zudem wird die PPC-Technologie in rund 18 Projekten in Deutschland und Österreich entweder eingeführt oder erprobt. Bis 2006 sollen laut PPC eine halbe Million Kunden über die Steckdose telefonieren oder ins Internet gehen.

Nicht überall wird dieser Optimismus geteilt. RWE ist 2002 bei der Cebit mit Powerline-Themen nicht mehr vertreten. Konkurrent E.ON hat seine Aktivitäten in diesem Bereich vor einigen Monaten eingestellt. Der Grund: Die Anfälligkeit des Systems. Zweitgeräte wie ein laufender Staubsauer können die Übertragung stören. PPC hat derartige Beeinträchtigungen nach eigenen Angaben ausgeräumt. Das von Main.net entwickelte Verfahren garantiert demnach eine stabile Verbindung und gute Übertragungsqualität.

Der Ausstieg der beiden Branchenschwergewichte RWE und E.ON ist zwar ein Rückschlag. Dennoch wittert man bei PPC hier die Chance für einen Neuanfang, um Powerline-Technologie mit der Main.net-Technik als echte Alternative zum Kabelnetz zu etablieren.

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