Bertelsmann Protestierende Aktionäre

Der Medienriese macht einen Rückzieher. Er will RTL nicht mehr ganz übernehmen.

Gütersloh - Der Medienriese Bertelsmann will keine weiteren Anteile der Fernsehproduktionsgruppe RTL Group  übernehmen.

Die angestrebten Konditionen seien nicht realisierbar, teilte das Unternehmen am Dienstag in Gütersloh mit. Nach der Übernahme des RTL-Anteils von der britischen Pearson-Gruppe in Höhe von 22 Prozent hatte Bertelsmann im Dezember zunächst angekündigt, auch die übrigen in Streubesitz befindlichen Aktien aufkaufen zu wollen. Bertelsmann besitzt inzwischen 90,2 Prozent des Aktienkapitals der RTL Group.

Für die restlichen Aktien im Streubesitz wollte das Gütersloher Unternehmen ein freiwilliges Kaufangebot von 44 Euro je Aktie machen. In einer Mitteilung hieß es, Bertelsmann habe seit Dezember eingehend geprüft, ob das Kaufangebot von 44 Euro je Aktie möglich sei. "Ausführliche Diskussionen über die für ein potenzielles Angebot relevanten Bestimmungen haben für Bertelsmann zu dem Schluss geführt, dass ein Angebot zu den angestrebten Konditionen nicht realisierbar ist", teilte das Unternehmen mit.

Doch ganz mag sich Bertelsmann nicht von seinem Plan verabschieden - zumindest nicht offiziell: Das Gütersloher Unternehmen behält sich das Recht auf eine weitere Aufstockung vor, hieß es weiter. In Richtung Aktionäre teilte der Medienriese noch mit, dass die Rechte der RTL-Minderheitsaktionäre auch künftig beachtet würden.

Wenig Gegenliebe

Bertelsmann war mit seinem Plan, die RTL Group ganz zu übernehmen, bei den Minderheitsaktionären zum Teil auf heftigen Widerstand gestoßen. Einige der betroffene Aktionäre organisierten sich über die Interessengesellschaft für Aktionäre Investas. Und diese Gesellschaft setzte sich dafür ein, die Komplett-Übernahme durch Bertelsmann zu verhindern.

Investas befürchtete, dass wenn der Streubesitz auf vier bis fünf Prozent sinke, es keine Liquidität mehr gebe. Wenige Orders könnten dann den Aktienkurs sehr stark bewegen. "Dann ist die ganze Börsennotierung nur noch ein Witz", zitierte die "Süddeutschen Zeitung" Investas-Vorsitzender Jean-Paul Hoffmann.

Niedriger Preis

Die Aktionäre kritisierten zudem den angebotenen Preis pro Aktie. In einem offenen Brief teilten sie mit, dass sie den Preis pro Aktie mit 44 Euro für zu niedrig hielten. Zwar hatte Pearson umgerechnet ebenfalls nur 44 Euro pro Aktie erhalten. Die Minderheitsaktionäre verwiesen aber auf den Preis, den Bertelsmann für das RTL-Aktienpaket der Group Bruxelles Lambert (BGL) gezahlt hatte. Die Finanzgruppe hatte für ihre 37 Prozent an RTL umgerechnet 200 Euro pro Aktie erhalten. Die Forderung: Alle Aktionäre müssten gleich behandelt werden.

Neben den aufgebrachten Aktionären entwickelte sich der Bertelsmann-Wunsch auch zum Politikum in Luxemburg, dem Hauptsitz der RTL Group. Vor rund zwei Jahren hatte nämlich die Luxemburger Regierung mit den RTL-Hauptaktionären eine Vereinbarung getroffen, dahingehend, dass der Teil der frei gehandelten RTL-Papiere von elf auf 15 Prozent erhöht werden sollen. Wie die Regierung nun reagiere, wollte ein Parlamentarier wissen. Beim Gütersloher Konzern zumindest soll es der "Süddeutschen Zeitung" zufolge geheißen haben, eine solche Vereinbarung sei rechtlich nicht bindend.

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