SAP "Microsoft ist keine Konkurrenz für uns"

Chef Henning Kagermann warnt vor zu großem Konjunktur-Optimismus. Der Co-Chef der Walldorfer Softwareschmiede SAP verteidigt auch die Wirtschaftsprüfer von Andersen und erklärt, warum Microsoft kein ernst zu nehmender Konkurrent ist.

New York – Der Chef des größten europäischen Softwarehauses SAP  will noch nicht in das Aufschwungsgeheul der meisten Ökonomen einstimmen.

"Man muss aufpassen, dass man nicht zu viele Hoffnungen weckt. Sonst ist hinterher die Enttäuschung groß", sagte SAP-Chef Kagermann bei einem Treffen der Association of German Business Correspondents (ABC) am Montag in New York. Insbesondere in den USA werde derzeit "der Optimismus herbeigeredet", kritisierte der Top-Manager.

Zwar sei die Talsohle der Rezession wohl durchschritten. Doch die Kunden säßen weiterhin auf ihren Geldbeuteln. "Bei denen, die die Schecks ausstellen, ist die Zurückhaltung groß." Am schlimmsten sei es in Asien. Auch in den USA "treten sie sehr schnell auf die Bremse". Im deutschen Markt hingegen spüre der Hersteller von Unternehmenssoftware die Rezession kaum.

SAP ist zu europalastig

Doch Deutschland reicht nicht, die Zukunft von SAP liegt auf dem amerikanischen Markt. "Wenn wir unsere Weltmarktposition ausbauen wollen, müssen wir in Amerika Erfolg haben", sagte Kagermann. Im Moment sei SAP "zu europalastig". 52 Prozent des Umsatzes kommen aus Europa, 35 Prozent aus Nord- und Südamerika, der Rest aus Asien. Langfristig strebe das Unternehmen einen 40-40-20-Mix an.

Dafür müssen zunächst einige Probleme in den USA gelöst werden. Vor allem das Vertriebsnetz muss SAP weiter ausbauen. Dennoch glaubt Kagermann: "Der Service ist gut." Die Kundenbeschwerden seien in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgegangen.

"Oracle hat Qualitätsprobleme"

Kritik an der oft als schwerfällig bezeichneten SAP-Software wies Kagermann zurück. Zwar räumte er ein, es sei "nicht leicht, ein SAP-System zum Laufen zu bringen". Doch sei das oft mehr ein Management- als ein Software-Problem. Integrierte Lösungen wie die von SAP brächten firmeninterne Abläufe unvermeidlich durcheinander. Daher bedürfe es absoluter Unterstützung durch das Management. Die sei insbesondere in den USA nicht immer gegeben, was dann zu Beschwerden führe. In Zukunft müsse SAP bei den Kunden daher noch bessere Überzeugungsarbeit leisten.

Kagermann übt Kritik an Oracle

Nachdem SAP die vergangenen Jahre vor allem mit der Erweiterung der Produktpalette verbracht habe, sei es jetzt Zeit "zu fokussieren". Man müsse keine neuen Märkte erobern, der bestehende Markt biete noch riesige Wachstumschancen. Die Marktführer (neben SAP noch Oracle, Siebel, Peoplesoft) hätten zusammengenommen nur ein Drittel Marktanteil.

Gegen seine Gewohnheit äußerte sich Kagermann auch zur Konkurrenz. Oracle sei nicht mehr so wettbewerbsfähig wie früher, sagte er. Das Schwergewicht aus Silicon Valley habe "Qualitätsprobleme". "Die haben einige Produkte zu früh ausgeliefert". Dennoch verliere SAP die Kalifornier "nicht aus den Augen".

Über den neuen Wettbewerber Microsoft sagte Kagermann: "Die sind keine Konkurrenz für uns". Der Softwareriese ist seit kurzem mit der Tochter Great Plains im Markt für Mittelstands-Software vertreten. Der Marktanteil ist jedoch noch zu klein, um auf dem SAP-Radar aufzutauchen. Derzeit sei Microsoft "mehr Partner als Konkurrent", sagte Kagermann. Doch Vorsicht sei immer geboten. "Das sind reine Zweckbündnisse. Einer der großen Partner kann jederzeit aussteigen". Spezielle Vorbereitungen habe man für diesen Fall noch nicht getroffen.

SAP steht zu Andersen Deutschland

Vergangenen Dienstag hatte SAP den Kauf der israelischen Softwarefirma TopManage angekündigt. Die Firma stellt eine benutzerfreundliche Software für kleine Unternehmen her. Beobachter hatten dies als Reaktion auf Microsofts Markteinstieg interpretiert.

Der SAP-Chef erklärte auch, dass das Unternehmen die vom US-Justizministerium angeklagte Wirtschaftsprüfungsfirma Andersen weiterhin als Prüfer beschäftigen werde. "Wir hatten zehn Jahre lang keine Beschwerden, also geben wir ihnen noch eine Chance", sagte Kagermann. Man erwarte allerdings, dass Andersen Deutschland sich von der amerikanischen Mutter trenne – sonst werde man nächstes Jahr anders entscheiden.

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